Cinderella

Fantasy, USA 2015, 105 min

Aschenputtel, eine der weltweit bekanntesten Märchenfiguren, wenn nicht die bekannteste überhaupt, kommt neu verfilmt von Kenneth Branagh in die Kinos. Der Plot basiert auf Charles Perraults „Cendrillon oder der kleine gläserne Pantoffel“ von 1697. Die junge Ella (Lily James) hat kaum den frühen Tod der Mutter verschmerzt, als ihr Vater eine neue Frau heiratet. „Warum besagter Edelmann nach einer so guten Frau eine so böse geheiratet, ist unbekannt. Diese Erscheinung wiederholt sich oft in der Welt, dass man zu der Annahme geneigt ist, das Leben an der Seite einer guten Frau sei den Männern langweilig und sie hätten eine wahre Sehnsucht nach dem männerbeherrschenden Pantoffel.“ So klingt das bei Perrault, und Branagh hat die Leichtigkeit und Ironie der französischen Vorlage kongenial umgesetzt. Cate Blanchett spielt die böse Stiefmutter, die ihren neuen Mann umgehend ins Grab bringt. Unablässig sticht sie mit spitzem Zeigefinger und noch spitzerer Zunge auf Cinderella ein. Hilfe kommt von Helena Bonham Carters guter Fee, die einen Kürbis in eine Kutsche und Mäuse in Apfelschimmel verwandeln kann. Sie zaubert nicht nur Aschenputtel sondern auch sich selbst schicke Roben an den Leib und ist überhaupt eine über die Maßen pragmatisch veranlagte Zauberin. Gut ausgestattet, trifft Cinderella beim Ball den Prinzen, der ihr zuvor schon zufällig im Wald begegnete - die Geschichte nimmt ihren Lauf, maßvoll behindert von Stellan Skarsgårds Großherzog, der für einige Verwicklungen sorgt. Branagh gibt dem Märchen mit überbordender Ausstattung und Technicolor-süchtiger Farbpracht, was des Märchens ist, in tiefem Blau schillern Kleider, Schmetterlinge und Blumen, der Märchenwald ist so unwahrscheinlich grün wie das Kleid der bösen Stiefmutter. Der bildgewaltige Spielfilm mit Starbesetzung hat die Kraft, Disneys süßliche 1950er Barbie-Version des Märchens aus dem kollektiven Gedächtnis zu verbannen, die Cinderella zu totaler Passivität verdammte. Kenneth Branagh lässt keinen Zweifel daran: Ella ist ein Mädchen, das sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.
Grit Dora