The Hateful Eight

Western, USA 2015, 169 min

Hallo miteinand und zunächst allen ein gesundes und kinoreiches 2016. Liebe Freunde des orthokonösen Satzbaus, wie jeden Wonnemonat Januar sitze ich hier in meinem Winter-Büro im Vitoschagebirge und blicke über den Rechner auf die herrliche Winterlandschaft, in der auch dieser brandneue Western von Quentin Tarantino spielt. Also nicht im Vitoschagebirge, aber in besagter Winterlandschaft im ebenso schönen Wyoming. Wenn man den Titel »The Hateful Eight« liest, hört der eingefleischte Cineast* bereits den Pinguin trapsen und weiß, woher die „The Magnificent Seven“ ihren Most bezogen. Fast wäre Quentins Projekt in der Ablage verschwunden, da im Zeitalter des Leakens, „Hier-ich-weiß-was“ und Verpetzens diese Form der Information auch vor »The Hateful Eight« nicht halt machte und irgendein Oberschlauel das Drehbuch ins Netz stellte. Nachdem sich Quentins verständliche Wut verzogen hatte, entschied er sich dann, doch den Film zu drehen und ihn nicht in der Schublade der Filmgeschichte verschimmeln zu lassen.
Einige Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg kämpft sich eine Postkutsche auf dem Wege nach Red Rock durch die verschneite Landschaft und wieder einmal hat Tarantino einen Cast vom Delikatösesten hingelegt. On Board und ohne Fußbodenheizung befinden sich der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh), auf die bereits der Galgenstrick wartet, und zwei unterwegens zugestiegene Reisende. Der Ex-Soldat und nun ebenfalls in selbiger Branche tätig wie John Ruth, Marquis Warren (Samuel L. Jackson) sowie Chris Mannix (Walton Goggins), der vorgibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Da die winterliche Schneesituation immer mehr an Dramatik gewinnt, entschließt sich das Kutschenpersonal, einen Zwischenstopp in „Minnie's Haberdashery“ einzulegen.
„Minnie's Haberdashery“ klingt zwar sehr exotisch, ist aber schlichterdings ein Laden für Kurzwaren. Warum jemand einen Kurzwarenladen mitten in der Walachei betreibt, ist mir allerdings ein Rätsel, tut hier aber nichts zur Sache. Im Laden angekommen, glänzt die Minnie zwar mit Abwesenheit, dafür sind aber bereits der Mexikaner Bob (Demian Bichir), der ominöse Oswaldo Mobray (Tim Roth), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der im Herbst seines Lebens stehende Südstaaten-General Sanford Smithers (Bruce Dern). Was zunächst wie ein lauschig plüschiges, rein zufälliges Zusammentreffen daherkommt, entpuppt sich langsam aber sicher zu einem wohl durchdachten Meeting. Die sozialen Spannungen steigen und irgendwie ist man jetzt in der dringenden Erwartung des verblichenen Peter Ustinov in der moderierenden Rolle des Hercule Poirot. Aber auch ohne dieses imaginären Beiwerkes wird schnell klar, dass es eine Verbindung unter den in der Hütte Verweilenden gibt, die der Sezessionskrieg einst hinterlassen hat. Alsbald stellt sich das winterliche Rendezvous als Abrechnung für die damals geschehenen Gräueltaten heraus. Eines ist klar, nicht jeder von ihnen wird wohl die Hütte lebend verlassen.
Ray van Zeschau (*was ist eigentlich die vegane Variante eines eingefleischten Cineasten)