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Neben den Gleisen

Dokumentation, Deutschland 2016, 89 min

Eine Imbissbude am Bahnhof Boizenburg. Mit Menschen, die dort Wurst essen, Bier trinken, nichts und alles wissen. Eine Alltagsbeobachtung des Dokumentarfilm-Regisseurs Dieter Schumann (»Flüstern & Schreien«).
In der kleinen Elbestadt Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern steht schon seit vielen Jahren mitten auf dem Bahnhofsvorplatz ein kleiner Kiosk. Der Kiosk hat jeden Tag von 5.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet und versorgt nicht nur Reisende, sondern dient auch als eine Art Stammkneipe für Schichtarbeiter, Arbeitslose, Taxifahrer und Rentner. Doch an einem Tag im Jahr 2015 ändert sich der beschauliche Alltag: Denn nun kommen am Bahnhof plötzlich Tausende Flüchtlinge an, die auf dem Weg ins nahegelegene Erstaufnahmelager sind. Regisseur Dieter Schumann beobachtet, wie die Stammgäste des Kiosks, die sich normalerweise nicht groß für Politik interessieren, auf einmal auch über solche Themen diskutieren und auch ihre eigene Lage betrachten - ihren Lebensalltag, ihre Hoffnungen und ihre Probleme.
Das Zusammentreffen dieser beiden Welten ist erzählerisch direkt gesetzt. Geschichten der Flucht gegen das Klischee vom Vergewaltiger aus Syrien. Geschichten von im Bombenhagel getöteten Verwandten gegen das Gerücht, Migranten würden Kinder essen. Stand doch auf Facebook. Dennoch, bei aller Verunsicherung und trotz der diffusen Ängste, durch die Flüchtlinge sozial noch stärker abgehängt zu werden, gibt es Momente, in denen das Mitgefühl für das Schicksal des anderen überwiegt. Das macht, trotz der Affinität des Stammtischs zu rechten Lösungen, doch etwas Hoffnung. Genau darin liegt das große Verdienst dieses Films.
Matthias Heeder

neben-den-gleisen-film.de

Regie: Dieter Schumann

Kamera: Michael Kockot

Bundesstart: 06.04.2017

Start in Dresden: 06.04.2017

FSK: ab 12 Jahren