Florida Project

Drama, USA 2017

»Magic Castle« heißt die heruntergeluderte Motelanlage, in der die sechsjährige Moonee (Brooklynn Prince) mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite) notgedrungen lebt. Magisch ist hier nix außer der Sonne Floridas und der Nähe zu Disneyland. Halley, selbst erst 23-jährig, versucht sich und Moonee mit der knappen amerikanischen Sozialhilfe und dubiosen Geschäftchen irgendwie über Wasser zu halten. Ihre Freizeit verbringt sie überwiegend rauchend vor dem Fernseher. Moonee streift derweil mit ihren Freunden durch die Anlage, erbettelt Eis, treibt allerlei phantastischen Schabernack und hat so gar kein Auge für ihre widrigen Lebensumstände. Ein Gang über die Kuhweide wird zur Safari, die verbotensten Zimmer des Motels sind logisch die reizvollsten und ein Regenbogen über dem krassen Pink der Gebäude wird als das wahrgenommen, was er ist: wunderschön.
Regisseur Sean Baker richtet seinen genauen Blick wie im gefeierten »Tangerine L.A.« auf eine Subkultur, auf das Leben von Außenseitern, die von der Gesellschaft von Beginn an auf ihre Plätze verwiesen werden. Mutter und Tochter scheren sich nicht drum, sondern trotzen den miesen Bedingungen das Maximale ab, bis das System sie endgültig zu Opern zu machen droht. Baker zeigt einige Wochen im Leben der beiden, erzählt keine runde Geschichte. Die fabelhafte Komik und Schärfe des Filmes speist sich aus den Schlaglichtern, die er auf beinahe anekdotische Situationen wirft und aus dem harten Kontrast zwischen der sonnigen Atmosphäre Floridas und der kahlen Härte des Systems. Atemberaubend ist die Augenhöhe zwischen Brooklynn Prince als Moonee und Willem Dafoe als Motelmanager Bobby, der versucht, das kleine wie das große Mädchen irgendwie zu beschützen. Der große Willem agiert sparsam. Wenn sein Bobby dem lustigen Treiben von Mutter und Tochter behütend zusieht und es schafft, nicht zu nahe zu treten, bildet sein fast regungsloses Gesicht in der Großaufnahme alles ab: Sehnsucht, Schönheit und Vergeblichkeit.
Grit Dora