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Djam

Drama, Frankreich/Griechenland/Türkei 2017, 96 min

Die Titelheldin Djam (Daphne Patakia) lebt mit ihrem Stiefvater auf der Insel Lesbos. Mitten in der Wirtschaftskrise steht Kakourgos (Simon Abkarian) als Gastwirt kurz vor dem Bankrott. Sein Fischerboot liegt reglos im Hafen und benötigt ein Ersatzteil, welches Djam in Istanbul besorgen soll. Bei der Gelegenheit soll sie auch alte Rebetiko-Aufnahmen aus dem Nachlass ihrer verstorbenen Mutter mit nach Hause bringen. Seit zirka einhundert Jahren erzählt Rebetiko in eindringlichen Liedern von der Wehmut griechischer Türken im griechischen Exil. In Istanbul angekommen, trifft Djam auf Avril, eine junge Französin, deren Engagement für syrische Migranten in einer türkischen Sackgasse endete. Ohne Papiere oder Geld nimmt sie Djams offenherziges Angebot an, sich gemeinsam auf den Weg nach Griechenland zu machen. Regisseur Tony Gatlif schickt zwei junge Frauen auf einen wilden Road Trip, wobei sie sich naturgemäß auf derselben Route bewegen, auf der auch tausende Flüchtlinge Richtung Europa zogen. Lose reihen sich Begegnungen und Zufälle, gelegentlich verlieren sich die beiden, kommen sich wieder näher, bisweilen sehr nah, und landen schließlich auf Lesbos…
Bereits zum fünften Mal feiert ein Film von Tony Gatlif seine Premiere in Cannes und erneut löst der algerische Franzose das Versprechen seiner Filmkunst ein; getrieben von archaischer Musik trifft eine schlanke Fiktion das pralle Leben auf Europas Straßen. Ein glückliches Händchen bewies Gatlif, als er Daphné Patakia mit der Titelrolle besetzte, denn die junge Belgierin mit griechischen Wurzeln sprüht vor Energie. Und rechtfertigt nachträglich, dass sie 2016 als Shooting Star auf dem roten Berlinale-Teppich stand. Sie konnte beim Casting weder tanzen, singen oder Laute spielen und strahlt hier doch wie Daphne, die leibhaftige Priesterin von Mutter Erde.
Alpa Kino