Aus nächster Distanz

Thriller/Drama, Deutschland/Israel/Frankreich 2017, 93 min

Kann man einen großen politischen und viele Länder umspannenden Konflikt als Kammerspiel darstellen? Dieser Herausforderung stellt sich der Regisseur Eran Riklis, der sich mit seinen Filmen »Die syrische Braut« und »Lemon Tree« international einen Namen gemacht hat.
In seinem neuesten Film »Aus nächster Distanz« erzählt er die Geschichte der Libanesin Mona (Golshifteh Farahani), welche als Informantin diente. Sie erholt sich in einem Safehouse in Hamburg von einer Gesichtsoperation. Als Beschützerin wurde die ehemalige Mossad-Agentin Naomi (Neta Riskin) abgestellt. Doch so einfach, wie es wirkt, ist dieser Job nicht. Während die beiden Frauen sich annähern und entdecken, dass sie die eine oder andere Gemeinsamkeit haben, rückt die Bedrohung von außen heran. Schwarz-Weiß-Malerei vermeidet Regisseur und Drehbuchautor Riklis gekonnt. Er zeigt die vielen involvierten Länder und Facetten des Nahost-Konflikts, fast ohne dabei den Spielort Hamburger Wohnung zu verlassen. So verdichtet er Spannung und Intensität auf engstem Raum. Dazu tragen auch die beiden hervorragenden Hauptdarstellerinnen Golshifteh Farahani und Neta Riskin bei. Sie schaffen es, mit ihrem ambivalenten Spiel die Sympathien und das Interesse der Zuschauer aufrecht zu erhalten, und agieren wunderbar natürlich. So zeigt der Film auch mit kurzen angenehmen Situationen wunderbar auf, wonach sich die beiden Frauen eigentlich sehnen. Das ergibt im Gesamten einen starken Spielfilm, der mit seinem Kammerspiel vermutlich mehr beeindruckt und ergreift als jeder große Actionkracher.
Doreen