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Shoplifters - Familienbande

Kriminaldrama, Japan 2018, 121 min

Was macht Familie aus? Das dicke Blut? Oder doch eher Liebe und Fürsorge? Dieser Frage geht der vielfach preisgekrönte Regisseur Hirokazu Kore-eda in seinem neuen Film »Shoplifters - Familienbande« nach. Auch der gewann schon wieder Preise, räumte unter anderen die Goldene Palme in Cannes ab.
Die Familie, die Kore-eda hier porträtiert, hält sich mit Gaunereien und fragwürdigen Jobs über Wasser. Dennoch nehmen sie die kleine Yuri bei sich auf, geben ihr zu essen und neue Kleidung. Das Mädchen ist schüchtern, öffnet aber nach und nach ihr Herz und ihren Mund. Auch vom Rest der Familie, die in einem kleinen, alten Haus umgeben von Neubauten wohnt, erfährt der Zuschauer nach einer Weile mehr. Und das ist die Crux, denn der Film weist mitunter ordentliche Längen auf - zumal einige familiäre Verstrickungen schwierig zu begreifen sind. Da hilft auch nicht die deutsche Synchronisation, die »Shoplifters« einiges von seinem Lokalkolorit nimmt, das dem Regisseur darüber hinaus gut gelingt.
Letzteres ist die Stärke des Films, denn Kore-eda biedert sich keinen westlichen Sehgewohnheiten an und nimmt hier ein aktuelles Problem in den Fokus. Denn wie die japanische Regierung vor einigen Jahren feststellen musste, kassieren Hunderttausende Familien des Landes die Renten von verstorbenen Verwandten ein, indem sie den Tod des Angehörigen verschleiern. In einem Land, in dem Selbstlosigkeit und der Dienst an der Gesellschaft im Vordergrund stehen, ist das ebenso ein Verrat an der eigenen Kultur wie die anderen Gaunereien.
Nadine Faust