Mein Leben mit Amanda

Drama, Frankreich 2018, 107 min

Nach einem dieser blutigen Anschläge, in Folge derer sich die halbe Welt einen »je suis Paris« Sticker an die Accounts heftete und zwei Wochen später wieder entfernte, bleiben die kleine Amanda (Isaure Multrier) und der 24-jährige Filou (Vincent Lacoste) allein zurück. Mit der allein erziehenden Sandrine (Ophélia Kolb), die bei einer Schießerei in einem Pariser Park ums Leben kommt, verliert Filou seine Schwester und Amanda ihre Mutter. Bislang gefiel Filou sein zielloses Leben in der Großstadt, wo er mit einer Handvoll kleiner Jobs gut klarkam und gelegentlich den großen Bruder spielen durfte für Amanda. Auch seine neue Nachbarin Lena (Stacy Martin) verlieh seinem Dasein plötzlich frische Flügel…, doch nun muss er seiner Nichte erklären, dass ihre Mama nie wiederkommen wird. Und soll Amanda nicht in fremde Obhut gegeben werden, müssen sie und Filou einen gemeinsamen Weg finden. Beide leiden unter dem Verlust eines geliebten Menschen. Und beide müssen sich ihr vorheriges Leben zurückerobern. Das ging in den Wochen nach dem Anschlag auf das »Bataclan« vielen Parisern so, ganz gleich, ob sie persönlich betroffen waren, alle kämpften im Stillen um ihre lieb gewonnenen Orte, um vertraute Stimmungen oder um das unbeschwerte Leben überhaupt. So ringen auch Filou und Amanda; er, überwältigt vom Schmerz und von den Anforderungen der neuen Vaterrolle, sie, tieftraurig und doch beschützt von kindlicher Weisheit. Von der Kostbarkeit kleiner Lebensmomente handelt das französische Kino nur zu gern, doch selten geschieht dies in solch tragischer Brisanz. Und in solch schlichter Schönheit.
Alpa Kino