TRAILER

Bis dann, mein Sohn

Drama, China 2019, 185 min

In kaum einem Land ist, wie in China heutzutage, das Politische auch das Private. Und blickt man nur dreißig Jahre zurück, fragt man sich, ob es in China je anders war. Wenn deine beste Freundin dich zur erfolgreichen Abtreibung deines zweiten Kindes beglückwünscht, und sie tut das öffentlich und im Auftrag der Partei, dann steht man als chinesische Mutter irgendwie mit dem Rücken zur Wand. Mit nur einem Kind. Die Geschichte zweier befreundeter Familien, deren beide Söhne am selben Tag geboren sind und so durch das emotionale Band ihrer Eltern verknüpft waren, beginnt 1985 zur Zeit der Einführung der Ein-Kind-Politik. Eine garstige Laune des Schicksals entreißt den Eheleuten Liu Yaojun und Wang Liyun nach dem politischen Opfer auch noch ihren Sohn Xingxing, der sein Leben bei einem Badeunfall verliert. Dieser Unglücksfall soll sich durch den gesamten Film ziehen wie ein roter Faden und Regisseur Wang Xiaoshuai legt diesen Faden kunstvoll in unzähligen Schlaufen und Schleifen übereinander. An keinem Tag mag Xiaoshuai einen Schluss-Strich ziehen unter das Kapitel Verlust. Und er leuchtet die gesellschaftlichen Miss-Stände aus, weil das Private auch immer das Politische ist. Über einen großen Zeitraum verfolgt er beide Familien, Li Haiyan, die Familienplanungsbeauftragte, und ihren Mann Shen Yingming, den Karrieristen, sowie Wang Liyun, die vom Schicksal betrogene Mutter und ihren Mann Liu Yaojun. Letztere ziehen bald fort, sie suchen eine Bleibe am Meer, passen die Bedürfnisse den Verhältnissen an und finden ein wenig Ablenkung, indem sie einen Jungen adoptieren. Welchen sie Xingxing nennen. Und während der Kommunismus Hochzeit mit den turbokapitalistischen Verheißungen hält, kommen die Menschen nicht zur Ruhe. Li Haiyan plagen nach dreißig Jahren Gewissensbisse, sie sucht angesichts einer unheilbaren Krankheit nach ihrer einstigen Freundin und findet in Wang Liyun eine Frau vor, die nur noch darauf wartet alt zu werden. Beide Hauptdarsteller, Wang Jing-chun und Yong Mei, erhielten auf der Berlinale 2019 den Silbernen Bären für ihre Rolle.
Alpa Kino