TRAILER

Zu weit weg

Kinderfilm, Deutschland 2019, 88 min

Mit diesem Film ist es ein wenig wie mit seinem Titel; man meint gleich zu wissen, was damit gemeint ist. Zu weit weg? Das ist doch klar, wenn es um den Umzug eines 12-jährigen Jungen geht, dessen Heimatdorf vom Braunkohletagebau aufgefressen wird. Ben fühlt sich in der neuen Umgebung nicht sehr wohl, eine andere Schule in einer anderen Stadt, neuer Fußballklub, in dem sie statt Stürmern Abwehrspieler brauchen und er kann noch nicht mal einfach so zurückfahren, wenn er Sehnsucht hat. Eingebettet in die erwartbaren Umzugsprobleme eines 12-Jährigen wird hier aber eine ganz andere Geschichte erzählt. Und die beginnt mit Tariq, der genauso neu ist in der Stadt und in der Klasse, der auch gleich neben Ben sitzt und wie er auch Fußball spielt. Tariq kommt aus Aleppo. Und auf Ben zu treffen ist für ihn ein großes Glück. Mindestens wie für Ben, der ganz langsam feststellen wird, welche Gemeinsamkeiten er mit Tariq teilt. Doch das braucht Zeit, denn zuerst sitzt Ben wie auf der Auswechselbank, fußballerisch gesprochen, und schaut dem Spiel bloß zu, statt teilzunehmen. Obendrein ist Tariq auch noch der bessere Stürmer in ihrem neuen Klub. Dass diese Freundschaft ein großes Geschenk ist, begreift Ben nur langsam. Regisseurin Sarah Winkenstette kannte das Gefühl vom Verlust des Heimatdorfes genau, wollte jenes vom Verlust des Heimatlandes ergründen und sie geht noch einen Schritt weiter, indem sie den Verlust von Tariqs großem Bruder thematisiert. Ihn wieder zu finden, der irgendwo ganz weit weg in Europa verloren gegangen ist, kann den Kindern nur gelingen, wenn keines von ihnen am Spielfeldrand sitzen bleibt.
Alpa Kino