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Die Unbeugsamen

Dokumentation, Deutschland 2020, 99 min

„Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie alleine den Männern überlassen könnte.“ Das sagte die Sozialdemokratin Käte Strobel schon 1959. Doch auch wenn Strobel gern zitiert wird, ist ihr Name außerhalb politischer Kreise weniger bekannt - so wie die Politik der Bonner Republik in der öffentlichen Wahrnehmung generell männlich geprägt ist. Ein Umstand, an dessen Festen der Journalist und Dokumentarfilmer Torsten Körner nun rüttelt. Bei den Recherchen zu seinem Buch »Die Familie Willy Brandt« stieß er auf viele Frauen, die eine andere Perspektive auf die bundesdeutsche Politik während der deutschen Teilung haben. 2015 begannen die Arbeiten am Film.
Dass Körner die Frauen, die für eine weibliche Beteiligung an der Politik gekämpft haben, auf die große Leinwand holen will, ist eine bewusste Entscheidung. Denn im Gegensatz zum Fernsehen lässt sich der Filmemacher fürs Kino Zeit, um die Vorreiterinnen wirklich zu Wort kommen zu lassen. Dabei paart Körner Interviews mit 14 ehemaligen Politikerinnen und Journalistinnen mit Archivmaterial, das seit Jahrzehnten niemand mehr gesehen hat. In der schnelllebigen TV-Routine sind es eben die ohnehin bekannten großen Namen wie Adenauer, Brandt, Schmidt oder Kohl, die selbst in alten Aufnahmen das Rampenlicht beanspruchen. Um so spannender ist der Einblick, den Körner mit »Die Unbeugsamen« ermöglicht - sowohl aus politischer als auch feministischer Hinsicht. Denn schon 1958 sagt FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders bei einem Interview auf der Straße, als sie nach dem Stand der Gleichberechtigung gefragt wird: „Wenn die Leute nicht weiterkämpfen, dann werden sie das, was sie haben, wieder verlieren.“ Ein Satz, der in Zeiten von #MeToo, noch immer ungleichen Gehältern und Hass im Netz nichts an Aktualität und Brisanz verloren hat.
mana