The Messenger

Drama, USA 2009, 90 min

Man kann sich nur schwer des Eindruckes erwehren, dass Amerikas Kriege in Europa kaum noch jemanden interessieren. Gewohnheitseffekt oder echte Ermüdung bei den Schlachtenbummlern - das feinsinnige Heimatfrontdrama des jungen Drehbuchautors Oren Moverman (»I'm Not There«) rutschte jedenfalls beinahe aus den Dresdner Spielplänen, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Immerhin hatte der Film wenigstens einen Starttermin in Deutschland, wo das Gesicht von Woody Harrelson (war nominiert für einen OSCAR) noch immer einen hohen Wiedererkennungseffekt hat. Ganz anders sein Captain Tony Stone, dem es obliegt, tagein, tagaus in dasselbe aussichtslose Gefecht zu ziehen, wenn er den Angehörigen daheim die traurige Botschaft vom Tode ihrer Männer, Frauen, Väter oder Söhne überbringen muss. Ihn wollen die meisten seiner Klienten niemals wiedersehen. Auf jeden seiner Aufträge bereitet er sich trotzdem so akribisch vor, wie es die Getöteten vermutlich ebenso bei ihren Einsätzen im Felde taten. Und doch geraten Captain Stone und sein neu zugeteilter Sergeant Montgomery gelegentlich in einen Hinterhalt, wenn wütende Väter ihnen an den Kragen wollen, oder sie verlieren sich in unübersichtlichem Gelände, wenn verbitterte Ehefrauen mit dem Trost nach Vorschrift nicht zurande kommen wollen. Großartig wirkt die technische Umsetzung, wenn die Handkamera die beiden Unheilsboten auf Schritt und Tritt verfolgt, als gerieten sie demnächst unter Beschuss, und wieder zurückkehrt zu langen, gediegenen Einstellungen, sobald sich die Männer wieder zurückgezogen haben von der Heimatfront. Das geht solange gut, bis Montgomery die oberste Dienstregel missachtet und Gefühle zeigt. Er verliebt sich in die Frau eines Gefallenen und bringt damit die ganze Mission in Gefahr.