96 Hours

Action/Abenteuer, Frankreich 2008, 93 min

Angesichts von 96 hours bleibt einem nur zu konstatieren: The Rachefilm is back und das absolut! Mit 96 hours ist ein Film des Genres wieder auf dem Plan, der gnadenloser als »Kopfgeld« (Mel Gibson), brutaler als »Ein Mann sieht rot« mit Charles Bronson und eiskälter als Dresden bei -20°C ist. Nun ist Liam Neeson im ersten Augenblick nicht unbedingt der Racheengel, den man sich im Allgemeinen und im Besonderen so vorstellt, dafür auf den zweiten um so gewaltiger und vernichtender. Überhaupt ist »96 Hours« eigentlich eine Liam Neeson-Einmannshow und das im großartigsten Sinne. Bryan Mills ist eine ehemaliger Topagent, der nach L.A. gezogen ist, um in der Nähe seiner Tochter Kim (Maggie Grace) zu sein, welche bei seiner Ex-Frau Lenore (Falke Janssen) lebt, die mittlerweile mit einem reichen Geschäftsmann liiert ist. Kim ist in der Zwischenzeit ein in Luxus lebendes siebzehnjähriges Spoiled Bred geworden und möchte nun mit ihrer Freundin unbedingt nach Paris reisen. Das findet Bryan als berufsmäßiger Gefahrenblockierer für eine Siebzehnjährige dann doch etwas zu riskant und versucht sie von ihrem Vorhaben ab zu bringen. Klingt für den gelernten Dresdner bisschen nach DDR-Propaganda, so nach der Fasson, im Erzgebirge ist es doch auch sehr schön. Letztlich beugt er sich dann doch dem Druck seiner Ex-Frau und lässt Kim gewähren. Diesmal hat Regisseur Pierre Morel mal bisschen den Spieß umgedreht und warnt filmisch gesehen aus dem heimeligen Los Angeles vor den unberechenbaren Gefahren, die eine permanent letale europäische Stadt wie Paris so mit sich bringt. So kommt es also, wie es im Vorfeld eines gepflegten Rachefeldzuges sein muss, Kim und ihre Freundin Amanda werden von einer international operierenden Schlepper- und Mädchenhändlerorganisation gekidnappt. Wie wir wissen, kommt dieser unangesehene Berufszweig seit 1989 meist aus den osteuropäischen Ländern. Solche Leute sind in der Regel durch fast nichts zu beeindrucken. Auch nicht durch den telefonischen Hinweis Papa Bryans an die Entführer, dass sie sich die Tochter des falschen Mannes ausgesucht haben, da seine langjährigen beruflichen Erfahrungen nicht sehr zum karitativen Wohlbefinden eines menschlichen Körpers beitragen. Nun bleiben Bryan aber nur 96 Stunden Zeit, um dieses persönliche Problem zu klären, da sonst seine Tochter + Freundin für immer verschwunden bleiben werden. Also rasch ins Flugzeug gesetzt und nach Paris. Kaum angekommen, zieht er sehr zum Ärgernis der hiesigen Polizeikräfte eine grimmige Schneise der Vernichtung durch die französische Metropole. Dabei schreckt Bryan Mills auch vor der Folterung an der Entführung seiner Tochter Beteiligter nicht zurück. Das beeindruckt dann wohl auch den letzten osteuropäischen Finsterling, wenn ihm jäh ein Eisen in den Oberschenkel gerammt wird, um dieses mit dem französischen Stromnetz in Verbindung zu bringen. Eine Vorgehensweise, die selbst der ehemalige stellvertretende Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner für nicht ganz astrein befunden hätte. Ein sehr, sehr zorniger Liam Neeson, ein sehr, sehr zorniger Film aus der Feder keines Geringeren als Luc Besson. Da lass ich mir doch glatt die Blutwurst schmecken.
Ray van Zeschau