Willkommen bei den Sch’tis

Komödie, Frankreich 2008, 106 min

Ganz Frankreich scheint sich auf einmal für seinen bisher nicht sonderlich geliebten Norden zu erwärmen. Ein beseelter Kinoschwank hat unerwartet in Rekordzeit fertig gebracht, was kostspielige, langjährige Tourismuskampagnen nie hätten bewirken können. Erst Ende Februar angelaufen, haben bisher schon mehr als zwanzig Millionen Franzosen »Willkommen bei den Ch'tis« gesehen und dabei Tränen gelacht und geweint.
In der Region Nord-Pas de Calais tragen die Menschen den Spitznamen „Ch'ti“, abgeleitet von ihrem Dialekt Ch'timi, der nur schwer zu verstehen ist. Die Ch'tis sind den Franzosen offenbar das, was die Ostfriesen den Deutschen oder die Schotten den Engländern sind: Spottfiguren, Hinterwäldler, Landeier, kurzum, fleischgewordene Vorurteile. So denkt auch Philippe Abrams, der Postamt-Leiter, der aus der sonnigen Provence strafversetzt wird, ausgerechnet in den äußersten Landesnorden, der bei den meisten Franzosen ein ähnliches Image genießt wie Sibirien: kalt und stürmisch das Wetter, griesgrämig und ungehobelt die Leute, flunderflach und langweilig die Landschaft, von Backsteintristesse geprägt die alten Kohlereviere.
Mit Widerwillen und trotz des Sommers vorsorglich eingehüllt in eine polartaugliche Daunenjacke verlässt Abrams sein Pastis- und Pétanque-Idyll und macht sich auf den Weg. Doch schnell findet er Gefallen an der Überschaubarkeit des kleinen Städtchens Bergues und am offenen, warmherzigen Charakter der Postangestellten und der Einheimischen. Mit Briefträger Antoine Bailleul, der gleichzeitig der Glockenspieler ist, verbindet Abrams bald eine solide Männerfreundschaft. Zu Hause im Süden würden sie ihm nie und nimmer glauben, erzählte er von seinem neuen Glück im Norden. So beginnt ein unfreiwilliges Doppelleben, das eskaliert, als sich die „Südländerin“ in den eisigen Norden aufmacht, um ihrem Mann beizustehen…
Das Erfolgsgeheimnis des Films liegt im pointierten Sprachwitz, der punktgenauen Situationskomik und der feinen Ironie, die gekonnt mit Klischees und regionalen Identitäten spielt.
»Willkommen bei den Sch'tis« ist eine unkonventionelle, beschwingte Komödie und eine großartige humorvolle Milieustudie. Ein warmherziger und witziger Film über Freundschaft und eine Hymne auf den Dialekt.