Ravioli

Drama/Komödie, Österreich 2002, 79 min

Der Mensch ist von Geburt Optimist. Doch das verliert sich mit der Pubertät. Und er ist ein Gewohnheitstier, worunter seine Anpassungsfähigkeit leidet. Heinz Hoschek (Alfred Dorfer) muss diese Erfahrung auch machen. Ganz plötzlich scheint er aller seiner Gewohnheiten entrissen und übt sich nur noch in der Kunst des Scheiterns. Allerdings auf höchstem Niveau. Seinen Job als Bankfilialleiterstellvertreter ist er los. Frau Hoschek ist seit der Scheidung auf und davon, die Mutter liegt auf dem Zentralfriedhof und der Vater sitzt im Pflegeheim. Heinz sitzt daheim in der elterlichen Wohnung. Hier macht sich eine gewisse Tristesse breit. Das schafft Raum für Fragen wie: „Gibt es ein Leben nach dem Tod - oder einfach nur den Tod nach dem Leben?“. Antworten kommen prompt. Von einem der es wissen muss; vom Tod höchstselbst (gespielt von Günter Paal, der im realen Leben die Meinung vertritt: „Laut babelusischer Schöpfungsgeschichte war das Erste, was überhaupt war, ein Unterschied.“). - Er schaut mal kurz rein beim Heinz.
Da helfen nur Alkohol oder Valium. Besser noch beides zusammen. Schließlich braucht der Mensch auch ein gewisses Maß an Gewohnheit. Gestern reichten zwei Valium noch aus, heute nehmen wir mal eine mehr. Sicherheitshalber. Recht so, bestätigt ihm „Der Geist der Siebziger“ (ebenfalls gespielt von Günter Paal, der im realen Leben zu der Erkenntnis kam: „Wer einmal im Kreis gegangen ist, sieht den Anfang von hinten.“), welcher dem Hoschek ebenfalls einen Besuch abstattet.
Heinz beschließt, auch angesichts zunehmender sozialer Vereinsamung, wieder auf die Fragen seiner Mutter zu antworten. Bei der Grabpflege unterhalten sich beide über die alten Zeiten. Doch das bleiben nicht die einzigen Folgen von Realitätsflucht und Tablettenwahn.
Alfred Dorfer, der in seiner Heimat Österreich ungefähr das ist, was bei uns die Synthese aus Harald Schmidt, Stefan Raab und Dieter Hildebrandt ergäbe, wobei allen dreien jeglicher Wiener Schmäh abgeht, (Pause zum Luftholen, sowie der Frage: Wissen Sie ohne nachzuschaun, was „Wiener Schmäh“ ist?), dieser Alfred Dorfer bekam für sein Programm »heim.at« den deutschen! Kleinkunstpreis. Was ihn nicht davon abgehalten hat, ebenjenes Programm mit »Ravioli« für die Kinoleinwand zu bearbeiten. Frühere Verfilmungen seiner Kabarett-Programme »Indien«, »Muttertag«, »Freispiel« erspielten sechsstellige Besucherzahlen an den österreichischen Kinokassen. Mit Deutschland stimmt irgendetwas nicht.