Der Duft von Lavendel

Drama, Großbritannien 2004, 103 min

Daniel Brühl begibt sich in »Der Duft von Lavendel« zum ersten Mal auf internationales Kino-Parkett und wir bekommen es mit bewegendem Charakterkino im traditionellsten Sinne zu tun.
1936 in einem kleinen englischen Dorf an der Küste von Cornwall. Hier herrscht die pure Idylle und in ihrem niedlichen Cottage mit einem gepflegten Vorgarten leben die zwei Schwestern Janet (Maggie Smith) und Ursula (Judi Dench) friedlich vor sich hin. Etwas Gartenarbeit, dann wie üblich der Nachmittagstee, abends wird gestrickt und zwischendurch im Meer geplanscht. Bis eines Tages das Schicksal ihr ach so beschauliches Leben auf den Kopf stellt. Nach einem heftigen Sturm finden die Schwestern einen jungen Mann (Daniel Brühl), der an den Strand geschwemmt wurde. Hilfsbereit wie die beiden nun mal sind, nehmen sie den Fremden bei sich auf und pflegen ihn gesund. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei ihrem Gast um einen jungen Polen namens Andrea Marowski. Er spricht kein Wort englisch, spielt dafür aber um so virtuoser Violine. Ursula verliebt sich das erste Mal in ihrem Leben und muss von Janet auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.
Die schöne Russin Olga Danilof (Natascha McElhone), selbst Künstlerin und Gast in dem englischen Küstenstädtchen, schätzt ein, dass Andrea sehr talentiert ist. Das bringt Bewegung in das ziemlich öde Leben der beiden Ladys und hält noch ein paar Überraschungen für sie bereit…
Charles Dance hat mit seinem Regieerstling eine Kurzgeschichte von W.J. Locke in leichtfüßig wunderschönen Bildern und mit zwei grandiosen Hauptdarstellerinnen auf die Leinwand gebracht. Die beiden Grande Damen des Schauspiels Judi Dench und Maggie Smith versetzen sich so perfekt in ihre Figuren, dass einem keinen Moment in den Sinn kommt, dass die beiden in Natura gar nicht blutsverwandt sind. Es macht wirklich Spaß, in das Leben der beiden Schwestern einzutauchen, mit ihnen am Kaffeetisch zu sitzen, die Gartenarbeit zu teilen und ihre schnippischen Diskussionen mit anzuhören. Dagegen bleibt Daniel Brühls Figur des Andrea etwas im Hintergrund. Der amerikanische Ausnahmegeiger Joshua Ball lässt seinen Bogen virtuos über die Saiten gleiten und spielt mit soviel Gefühl und Ausdruck, dass allein der Soundtrack einen über kleine Schwächen des Films hinwegsehen lässt.