Ein ungezähmtes Leben

Drama, USA 2005, 108 min

Während Feuilletonisten und Bewahrer der deutschen Sprache sich darüber ärgern, dass mehr und mehr Filme unter englischen Filmtiteln in unsere Kinos kommen - und nur in den besten Fällen sind es die Originaltitel - scheint es hier angebracht, dieser durchaus berechtigten Kritik noch eine weitere hinzuzufügen. Wer sich die Mühe macht, einen Filmtitel ins Deutsche zu übertragen, sollte doch bitte ein Wörterbuch dazu benutzen. Oder zumindest im Sinne des Filminhaltes handeln. Dieser Film hieß vorher »An unfinished life«. Weil seine Geschichte gleich in mehrfacher Hinsicht von einem unvollendeten Leben erzählt.
Einar Gilkyson (Robert Redford) und sein alter Freund Mitch (Morgan Freeman, ein direkt von Gott auf die Leinwand gesandter Engel), leben einen Traum. Zwei reife Männer und eine Farm in Wyoming auf der sie jeden Abend die bösen Geister mit ein paar von ihren alten Geschichten vertreiben. Und das Ziehen in den Knochen mit ein paar Gläsern Whisky. Seit Jahren hocken die beiden da und lecken ihre Wunden. Mitch hatte mal Ärger mit einem Bären, wovon er sich nie wieder richtig erholt hat, weder seelisch noch körperlich. Einars Verletzungen scheinen dagegen tiefer zu sein. Er verlor vor elf Jahren seinen Sohn Griff bei einem Autounfall. Dessen Frau Jean Jennifer Lopez saß damals am Steuer des Wagens. Zu Einars Schmerz um den Verlust seines Sohnes und zu den Vorwürfen über Jeans Schuld an Griffs unvollendetem Leben hat sich in den Jahren auch die Bitterkeit über sein eigenes Versagen gesellt. Doch in ihrem gemeinsamen Versteck fühlen sich Mitch und Einar seither sicher. Bis Einars Schwiegertochter Jean und deren elfjährige Tochter Griff plötzlich an die Tür klopfen.
Zuletzt hatte sich Lasse Hallström in unseren Kinos mit seinen »Schiffsmeldungen« wieder erfolgreich freigeschwommen. Das war auch notwendig geworden. Nach seiner kalorienbeladenen Schlacht um das Liebesleben von Mme Vivianne Rocher und deren Erfindung der Chocolaterie. Mit seinem neuen Film kehrt Hallström zum Grundthema des amerikanischen Kinos zurück, zur Familie. Hallström gehört zu den safe-movie-makern, er sorgt mit großartigen Akteuren und „sicheren Geschichten“ für so etwas wie ein vollendetes Leben. Niemand sollte das geringschätzen.