Der letzte Kuss

Komödie, USA 2006, 104 min

Es soll ja Leute geben, die waren acht Wochen verheiratet und ließen sich scheiden, weil sie plötzlich dem Traumpartner begegneten. Das ist doch nur allzu menschlich. Schließlich gibt’s ja ebay, und schwupp kommt der ganze alte Plunder für 1,99 als Sofortkauf wieder unters Volk. Der 29jährige Michael ist noch nicht ganz dort angekommen, jedoch jagt ihm die Offenbarung seiner Freundin Jenna einen gehörigen Schrecken ein. Im dritten Monat schwanger, in persönlichem Kontakt mit einem Immobilienmakler wegen eines Häuschens und ausgerüstet mit unumstößlichen Farbvorstellungen für die Badezimmergardinen, verwandelt sich eine ganz normale und pflegeleichte Beziehung zum megamäßigen Albtraum. Das war’s, Alter. Da kommt nix mehr nach. Die besten Jahre waren eh’ auf der Uni. Alles wurde vom Baum geschüttelt, das bei drei nicht den Rock überm Gesicht hatte. Und die Zukunft? Michael schlittert in die zugegebenermaßen scheußlichste Lebensphase eines jeden jungen Mannes. Wo man sich eingestehen muss, dass man lebt statt zu pubertieren, dass man arbeitet statt zu philosophieren und dass man älter statt jünger wird. Verdammt richtig. Aber auch verdammt bitter. Wie der Oneliner vom Filmplakat: „Es ist nie einfach erwachsen zu werden, und schon gar nicht, es zu sein…“ Doch keine Bange, Michael entwickelt sich nun aus Wut nicht gleich zurück zum pickeldrückenden Pennäler. Obwohl er damit kokettiert, als ihn die achtzehnjährige Studentin Kim angräbt. Erfolgreich angräbt. Sie küsst ihn einmal. Und drei, zwei, eins, alles landet unterm Hammer. Und Michael gerät mitsamt seinem Lebensplan ebenfalls darunter.
Weil italienische Filme höchst selten in unsere Kinos gelangen, kennt auch kaum jemand das Original »L’ultimo bacio«, doch das macht nichts, da spätestens mit Coldplay, Aimee Man oder Snow Patrol im Soundtrack ganz andere Erinnerungen wach geküsst werden. Jawohl, Paul -Crash- Haggis landet mit seiner stay-back-something-twenty-cause-I’m-afraid-of-dirty-thirty Geschichte direkt neben Stephen Frears »High Fidelity«-Plattenteller, wo sich nahezu jeder männliche Kinogänger mit eigenem Plattenspieler und achtzehnjähriger Liebschaft irgendwann einmal wiederfindet. Im Herzen tief getroffen und von befreiendem Lachen heftig geschüttelt. Und wo ich gerade vierzig werde, muss ich hinzufügen; geküsst wird immer. Leute, kauft mehr Platten. C. Fredo