Todeszug nach Yuma

Western, USA 2007, 123 min

Dan Evans betet zu Gott. Vor und nach jeder Kugel, die er abfeuert, bittet er, die Bahn möge keine Verspätung haben. Der Lokführer hat den Fahrplan auch nicht gemacht und ob er überhaupt bewirken kann, dass der „Drei Uhr Zehn nach Yuma“ pünktlich ankommt, geschweige denn, dass er wieder abfährt, weiß bis kurz vor Schluss des neuen James Mangold Filmes niemand. Außer vielleicht der allmächtige Schaffner selbst. (Dass Mangold nach »Walk The Line« wieder was mit Zügen machen würde, war doch sonnenklar, oder?)
Dan Evans jedenfalls hat sich seine blöde, bleihaltige Situation selbst zuzuschreiben. Da hockt er in Gesellschaft seines vierzehnjährigen Sohnes William und eines gemein-gefährlichen Bankräuber und Mörders, den der unrasierte Russel Crowe ganz charmant hinlegt, inmitten wild umherschwirrender Revolverkugeln und wartet auf diesen „Drei Uhr Zehn nach Yuma“. Was soll er nun machen? Die bereits gelösten Tickets verfallen lassen? Ohne dass Wade gehängt wurde unverrichteter Dinge nach Hause reiten? Zu Haus und Weib und seinen Söhnen? Sich eingestehen, dass man nicht einfach locker ein paar Dollars verdienen kann, indem man die Drecksarbeit für Staat und Regierung erledigt? Schlimmer noch als dieses Eingeständnis würde aber die Schmach auf Dan Evans lasten, vor seinem halbwüchsigen Sohn nicht wie der perfekte Held und Vater gehandelt zu haben. Stolz soll der Junge sein auf seinen Dad, weil der endlich mal wieder eine Sache richtig gut zu Ende gebracht hätte. Wo doch seit Ende des Bürgerkrieges die Farm nicht so läuft, wie sie soll und jeder verdammte Cent dringend gebraucht wird. Das schmierige Angebot, den Bankräuber Ben Wade nach Yuma zu überstellen und dafür zweihundert Dollars zu kassieren, kommt dem hilflosen Familienvater und ehemaligen Scharfschützen gerade recht.
Zu dumm, dass im 2007er Remake des 1957er B-Westerns allein der Weg zum Zug um einiges länger ist und dass weitaus mehr Personen daran interessiert sind, Ben Wade an dieser Zugfahrt zu hindern. Egal, ob sie ihn aus Loyalität raushauen wollen, oder nur hinter seinem Geld her sind. Der Verbrecher hat aus einem Bruch zufällig irgendwo noch einen Haufen Kohle versteckt. Mit diesem Schatz versucht Wade erst einmal, seinen Peiniger zu bestechen, aber Evans markiert den ehrbaren Farmer, indem er tausende Dollars ausschlägt für seinen kargen Judaslohn. Verglichen mit der Tatsache, dass sein Sohn William gegen den ausdrücklichen Willen des Vaters an diesem gefährlichen Ritt teilnimmt, ist dieser finanzielle Gewissenskonflikt ganz und gar nebensächlich. Und dass der junge William an der illustren Person Ben Wades offenbar mehr Gefallen findet als am eigenen Vater, stachelt diesen nur zu noch mehr falschem Heldentum an. Er muss diesen verdammten „Drei Uhr Zehn nach Yuma“ erwischen, hach, sonst wäre ja alles umsonst gewesen.
W. Larsen