Der rote Baron

Abenteuer/Action, Deutschland 2007, 120 min

Dummerweise haben wir Deutschen so eine blöde Vergangenheit, dass wir es uns mit Helden etwas schwer machen. Erwin Rommel fanden zwar sogar die Tommys damals richtig Klasse, hatte aber dem Bösen gedient, was so böse war, dass hier sogar dieses alberne Buch verboten ist. Erich Hartmann kommt da dem Heldenbild wesentlich näher, blöderweise hatte aber auch er dem bereits Erwähnten gedient. Ja und danach gab´s keine so „richtigen“ Heros mehr. Eben so richtige, mit ein bisschen Schmackes und so. Siggi Jähn war zwar als erster Deutscher im All, was durchaus beachtlich ist, hat aber keinen Schmackes. Für seinen Fetzigkeitsquotienten hätte er lieber nen Kasten Coschützer in der Schwerelosigkeit schweben lassen sollen als eine Sandmann-Püppie aus der HO-Schreibware. Nachdem nun aber Scientologykasper Tom Cruise uns Graf von Stauffenberg geschichtlich glattgebügelt hat, fiel unseren deutschen Filmschaffenden plötzlich doch noch ein Held in die Arme: Manfred Freiherr von Richthofen. Der war zwar genauso ein Militarist wie Stauffenberg, aber dessen Geschichte war noch länger Vergangenheit und ein bisschen Läuterei konnte man ihm ja noch nachträglich auf die Kiste schmieren. Da man dann offensichtlich doch etwas Pupengang bekam, zuu Deutsch werden zu können, hat man mit 18 Millionen gleich eine englischsprachige Produktion draus gemacht. Toll, Axel Prahl speaks english. Ssuppor, oder? Aber Axel spielt nicht Manne und die deutsche Variante für uns Deutsche gibt´s natürlich auch. Wobei sich für den Filmfan die Frage stellt, haben die nun in Deutsch gedreht und sich dann englisch synchronisiert oder umgedreht? Oder haben die gar alle Szenen zweimal gedreht? Keine Ahnung. Jedenfalls für alle jene, denen der Name von Richthofen nicht so ein Begriff ist, hier ein kurzer Umriss seines Wirkens. Manfred von Richthofen lebte die kurze Zeit von 1892 -1918 und war das erfolgreichste Fliegerass des 1. Weltkrieges. Richthofen hatte eine eigene Jagdfliegerstaffel, die auf Grund der kunterbunten Bemalungen der tollkühnen Kisten auch als „Fliegender Zirkus“ bekannt wurde. Er selbst flog immer eine knallrote Maschine, was ihm den Namen „Der Rote Teufel“ oder „Der rote Baron“ einbrachte. Da seine Trefferquote so immens hoch war, hatten die Briten für Richthofens Abschuss das Viktoria-Kreuz, ein eigenes Flugzeug und eine Geldprämie von 5000 Pfund Sterling ausgesetzt. Am 21. April 1918 war es dann so weit und der rote Baron landete getroffen und schwer verletzt auf feindlichem Gebiet. Zwar brachte der Gegner ihn noch geschwind in die Ambulanz nach Poulainville. Richthofen überlebte seine Verletzungen jedoch nicht mehr. Lange glaubte man, dass der kanadische Pilot Arthur Roy Brown ihn abgeschossen hätte, aber zeitgenössische Untersuchungen haben nun nachgewiesen, dass ihn der australische MG-Schütze Sergeant Cedric Popkin vom Himmel geholt hatte. Legendenschädigend war dabei nur, dass Popkin Richthofen nicht im Luftkampf besiegt hatte, sondern ihn schnöde vom Boden aus abgeknallt hatte.
Letztendlich hält sich Regisseur Niki Müllerschön aber nur ans heldische Schnittmuster des Originals. Dass Manfred Freiherr von Richthofen je Skrupel oder gar Zweifel am Sinn des Krieges gehabt hätte, ist in keinerlei Aufzeichnung belegt und wurde nur der zu-uns-ans-Herzlegung hinzuerfunden. Also, alles in allem schön hollywoodmäßig aufgearbeitet, so dass die Amis mal ruhig richtig neidisch sein dürfen.
Wirklich hervorragend gemachter Aviationfilm mit prima Rattattazong vs. bissl Herzschmerz und Liebestaumel. Ein Film, der durchaus in der Welt des internationalen Kinos seine Berechtigung hat. In der Rolle des Manfred sehen Sie Herrn Matthias Schweighöfer. …und bitte Propeller los!
Ray van Zeschau (Mitfliegerass)