Jerichow

Drama, Deutschland 2008, 93 min

Auch mit seinem neuen Film - dessen Idee während der Dreharbeiten zu »Yella« einem Artikel einer Prignitzer Tageszeitung entsprang - ist Christian Petzold (»Die innere Sicherheit«) ganz nah dran am Leben - und bleibt seiner ureigenen filmischen Handschrift treu: Wir sind in Jerichow, einer kleinen Gemeinde im Nordosten Deutschlands, wo das Geld keinen Urlaub macht und in der es kaum Arbeit gibt. Nach dem Tod seiner Mutter ist der ehemalige Soldat Thomas (Benno Fürmann) hierher zurückgekommen, um das geerbte Haus wieder herzurichten. Einer, der dieser trostlosen Gegend eine Heimat und seinen Besitz abgetrotzt hat, ist Ali (Hilmi Sözer), dem Thomas zufällig begegnet. 45 Imbissbuden nennt Ali in der Umgebung sein Eigen, die er zuverlässig beliefert und misstrauisch beobachtet. Der türkische Unternehmer mag Thomas vom ersten Moment an, beginnt ihm zu vertrauen und bietet ihm einen Job als Chauffeur und Assistent. So fährt Thomas fortan morgens und abends mit dem Lieferwagen an Alis vom Wald verborgener Ziegelsteinvilla vor - und lernt dessen deutsche Frau Laura (Nina Hoss) kennen. Kühl, ja fast geringschätzig behandelt die attraktive Mitdreißigerin den Mann, den sich Ali zu seinem Freund erkoren hat. Doch während eines Ausfluges an die Ostsee soll sich manches verändern…
Hoss, Fürmann und Sözer überzeugen durch ihr minimalistisches Spiel, sind Gefangene ihrer selbst und der unwirtlichen Landschaft, die sie umgibt. Petzold sagt: „Jetzt, wo der Film fertig ist und wir ihn mit etwas Abstand sehen konnten, waren wir überrascht. Es gibt keine Szene, in der nicht das Geld ist: Als Bild, als Tauschwert, als Betrug und als Mittel zur Anschaffung.“ So ist es im modernen Kapitalismus - an den sich nur noch wenige Zeitgenossen „gewöhnen“ müssen.