From Paris with Love

Action, Frankreich 2010, 93 min

Da ich nicht recht weiß wie ich beginnen soll, formuliere ich es mal so. Es gibt Gilbert Bécaud ala Monsieur 100.000 Volt und es gibt John Travolta. Was das miteinander zu tun hat, weiß ich nicht, höchstens dass Monsieur Bécaud großartig geraucht hat und John Travolta ebenfalls großartig raucht, zumindest im Film. Wenn er das tut, spielt er meist die Rolle eines überaus lässigen Haudraufs, welchen er wieder mal und nunmehr hier unter der Regie von Pierre Morel zelebriert. James Reese (nicht John Travolta sondern Jonathan Rhys Meyers) ist Mitarbeiter der US-Botschaft in Paris, der sich nebenher lose als Agent der CIA betätigt. Allerdings ist seine Agententätigkeit nicht gerade von Action und Spannung gekennzeichnet. Ein Zustand, den er sehr bedauert. Das ändert sich erwartend schlagartig, als der CIA-Veteran und Special Agent Charlie Wax (so jetze: John Travolta) in Paris aufschlägt und sein Aufmischen Impossible unterstützen soll. Herr Travolta sieht wieder mal butterweich, weich aus und ist am einfachsten als eine Mischung aus Dschingis Khan und Walter Ulbricht zu beschreiben, denen man ungern Nachts in Pieschen Mitte begegnen möchte. Zunächst ist nicht ganz kla, worum es in dem wilden Auftrag eigentlich geht. Doch schnell ist das Delikt der organisierten gelbmännischen Drogenkriminalität vom Table gefegt und der Hauptkern des knallharten internationalen Terrorismus mit selbstverständlich muslimischem Hintergrund freigelegt. Andere Gruppierungen kommen auch nicht in Frage, denn ETA oder IRA sind nicht international tätig und die RAF ist auf Rente gesetzt. James ist zunächst über die rüde und lieblose Arbeitsweise Charlies, die eher der einer Dampframme gleicht, in der Stadt der Liebe etwas verunsichert. Doch rasch muss er erkennen, dass die unorthodox brutalen Methoden seines Kollegen sie beide jedes Mal aus der noch so ausweglosesten Situation entlassen. Zurück bleiben meistens 94% Tote, ca. 4 Schwerverletzte und 35 Vermisste. Das alles hat natürlich nichts mit der Realität zu tun, was die Macher uns auch Augen zwinkernd wissen lassen. Hier kann sich mal wieder der deutsche Puff-Peng-Film ein fettes Beispiel nehmen, wie leichtfüßig und mitreißend man doch einen Actionfilm auch ohne Story in Szene setzen kann, wenn man sich selber nicht zu ernst nimmt. Da feiert der Dentist, da hängt die Lippe. 90 Minuten schwer Plumbumhaltiges fast forward Actionkino mit einem wieder mal an Coolität Maßstab setzenden John Travolta.
Ray van Zeschau