Enter the Void

Drama, Frankreich/Deutschland/Italien 2009, 162 min

Wer will schon sterben? Keiner, und doch müssen alle. Und alle fragen sich, ob man dann die große Leere betritt. Auch der umstrittene Gaspar Noé macht sich seine Gedanken über den Tod und da bleibt es nicht aus, dass Drogenexzesse, seelische Erdbeben oder sexuelle Fantasien von der Leinwand leuchten. Seine Visionen nennen manche schockierend oder faszinierend - auf jeden Fall aber sind sie irreversibel. Oscar erwischt es auf der Toilette. Er wurde reingelegt, aber als Drogendealer lebt man ohnehin mit einem Bein im Jenseits. Bei dem Versuch, seinen Stoff noch flugs dem Orkus zu übergeben, wird er erschossen. Bis dahin sieht der Zuschauer Oscar immer nur von hinten und blickt quasi über dessen Schulter auf die neongrelle Plastikwelt der Drogenszene im nächtlichen Tokio. Jede Nacht schießt sich Oscar die Rübe weg mit Drogen, vögelt die Mutter eines Klienten oder besucht seine kleine Schwester im Rotlichtmilieu. Er nervt Linda wegen ihrer Beziehung zu ihrem Boss. Sie streiten, um sich am Ende immer wieder neu zu versichern, sich nie zu verlassen. Als Kinder hatten sie ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, und eine visionäre Bilderflut lässt uns das alles 'wie von innen' miterleben. Kino bei offener Schädeldecke. Durch unsere Adern fließen Oscars Drogentrips genauso wie seine Kindheitserinnerungen, rauscht der tagtägliche Tokio-Rave und ergießt sich der ganze psychedelische Orkan aus Fernost. Oscars Tod auf dem Klo befreit ihn und uns nur bedingt von dieser Welt, denn fortan schwebt er Hand in Hand mit dem Zuschauer hoch über dem japanischen Moloch. Sein Leben nach dem Tode dreht sich in immer denselben Bahnen fort. Er wacht nun, wie versprochen, über seine kleine Schwester und darf keinen Blick mehr abwenden von ihrer verstörenden Endzeitwelt. Eine beängstigende Vision für den, der sterben muss.