The Tourist

Thriller/Drama, USA/Frankreich/Italien 2010

Mensch der Flori, das hat aber gedauert! Fast Fünf Jahre. Beneidenswert. Ich möchte es mir auch mal leisten können, fünf Jahre Zeit zu haben, um zu überlegen, was ich als nächstes mache. Da müsste ich ca. 2700 Kinorezensionen auf einmal schreiben, um mir diesen Luxus zu gönnen. Aber Florian Henckel von Donnersmarck hat schließlich, wie wir alle wissen, großen internationalen Erfolg mit seinem Erstling gehabt, was sich ja letztlich sicher auch in seiner Börse bemerkbar gemacht hat. Über »The Tourist« bin ich mir nicht ganz im Klaren, ob ich das gut oder weniger gut finden soll. Nicht den Film an sich, sondern eher, das wie, was, wo und mit wem. Klar gönne ich es ihm, dass er es geschafft hat seinen Fuß in Hollywood einzuklinken, aber muss ein Mann wie Florian Henckel denn sogleich einen Film drehen, den es wie so viele Filme in den letzten Jahren schon mal gab? Hat er denn nicht genug eigene gute Ideen in seiner Hirnrinde geparkt? Müssen es denn unbedingt Johnny Depp und Frau Pit in den Hauptrollen sein? Wollte er nicht eigentlich Zack Michalowski mit einer bedenken? So hat das alles bisschen eine uninnovative Aura des Mainstreams. Aber wer weiß, schließlich bin ich ja nicht sein Imageberater und vielleicht wollte das der Florian so. Mal in Hollywood die Altvorderen tanzen lassen. Aber nun noch zum Film. Der Amerikaner Frank (Johnny Depp) reist durch das alte Europa und möchte sich von einer schweren Trennung etwas kulturell ablenken. Dafür ist Venedig gut geeignet, wenn nicht gerade die Gondeln Trauer tragen. Im Zug stößt er dann auf die schmucke Elise (Angelina Jolie) bzw. eher sie auf ihn und schon ist es um ihn geschehen. Als Elise auch noch Frank mit in ihr Zimmer einchecken lässt, scheint die kulturelle Ablenkung mehr als perfekt daherzukommen. Aber nix mit Huschepupusche und Hullemulle ZinZin. Von einem auf den anderen Moment hat Frank plötzlich ein paar unangenehme Herren mit an seiner Backe, die auf Grund ihres rüden Auftretens in Kombination von Schusswaffengebrauch nicht den Eindruck erwecken, eine Delegation der Kurverwaltung zu sein. Als noch andere seltsame Teilnehmer hohes Interesse an seiner Person bekunden, schwant ihm langsam, dass er nicht durch Zufall auf Elise gestoßen ist, sonder zum Spielball ganz übler Machenschaften geworden ist, mit denen er eigentlich überhaupt gar nichts zu tun hat.
»The Tourist« ist Donnersmarcks Version der französischen Hitchcock-Hommage »Fluchtpunkt Nizza« aus dem Jahre 2005. Trotz dass es eine von mir nicht so geschätzte Wiederverarbeitung ist, macht Donnersmarck seine Sache brillant und vermittelt den Eindruck, ein ganz gestandener Hase der Branche zu sein. So, aber in den nächsten fünf Jahren möchte ich einen Film mit Zack Michalowski sehen. Am Drehbuch kann ich auch gern mitschreiben, vor allem falls es um die denkwürdige Mary-Wigman-Adaption bei Sonnenaufgang im Jahre 1990 im Blumenbeet der Familie Kunze aus Weixdorf geht, die nicht da war.
Ray van Zeschau (Zeitzeuge)