Toast

Komödie, Großbritannien 2010, 96 min

„Spaghetti Bolognäs?“ Wir befinden uns im England der 60er Jahre. Die Mutter des neunjährigen Nigel ist skeptisch. Ihm zuliebe versucht sie das exotische Essen. Immerhin kommt es aus der Dose, das ist die einzige Art zu „kochen“, die sie kennt. Als serviert ist, schauen Mutter und Vater sehr unglücklich und stochern in den langen Nudeln herum. Am Ende gibt es doch wieder Toast, die Notfallvariante, wenn etwas schief gegangen ist. Leider gerät auch dieser oft genug verkohlt.
Es ist also klar: Nigel kann seine Leidenschaft für Kochen und Lebensmittel in diesem Haushalt nicht ausleben. Dabei handelt es sich um Nigel Slater - nach Jamie Olivier den bekanntesten Fernsehkoch und Restaurantkritiker in England. Wie ist er zu dem geworden, der er ist? Der Film erzählt, basierend auf Slaters Autobiografie, seine Kindheit und Jugend, die ein Kampf um Anerkennung, Liebe und gegen die Stiefmutter werden sollten. Dabei überspitzt und überzeichnet der Film ganz herrlich, und dank der Schauspieler gerät „Toast“ nicht zur Klamotte: Helena Bonham Carter (»The King's Speech«, »Fight Club«) ist die neue Frau in Nigels Leben, nachdem die geliebte Mutter an Asthma stirbt. Freddie Highmore (der Charlie aus »Charlie und die Schokoladenfabrik«) spielt den 15-jährigen Slater, der sich kulinarische Schlachten mit der Stiefmutter Mrs. Potter liefert. Vor allem das Lieblingsdessert des Vaters, Zitronen-Baiser-Torte, ist ein Geheimrezept von Mrs. Potter. Denn „Die Zitronen-Baiser-Torten hier backe ich, undankbarer kleiner Scheißer!“ Aber Nigel übt solange - unter anderem als Schwuchtel gehänselt als einziger Junge im Hauswirtschaftsunterricht - bis er es kann. Mit gutem Essen versucht er die Zuneigung seines Vaters zu erlangen, doch Mrs. Potter schwört, sie wird ihm das Leben zur Hölle machen.
Und das tut sie. So muss es sich für den Jungen angefühlt haben, auch in seiner Biografie lässt er kein gutes Haar an ihr. Der Vater kommt ebenfalls nicht gut weg: Unfähig, mit seinem Sohn zu sprechen, verletzend und lieblos, so erlebt Nigel ihn. Der Film findet für all das passende Bilder, so dass die Perspektive Nigels nicht verlassen wird und eine schöne Balance von Komik und Tragik entsteht. Natürlich ist vieles verkürzt. Doch im Film geht es eben nicht um die realistische Abbildung, sondern um die Umsetzung, so dass das Wichtige sichtbar wird. Und das ist der Regisseurin S.J. Clarkson bei »Toast« gut gelungen. Auch Mister Slater selbst scheint mit dieser Sicht auf sein Leben zufrieden: Er hat einen Kurzauftritt als Koch im Savoy, der Nigel eine seiner ersten Stellen in einer Restaurantküche gibt.
Petra Wille