Die Liebenden

Drama, Frankreich/Großbritannien/Tschechische Republik 2011, 139 min

Alles an diesem Film ist altmodisch. Und schön. Beides zusammen geht unter die Haut, handelt ja dieser französische Beziehungs-Reigen doch von nichts anderem als von der Liebe. Wie sie frei und unmoralisch, lustvoll und käuflich sein wollte. Ein Leben lang. Und wie es nicht zu jeder Zeit und in jedem Land den erforderlichen Freiraum dafür geben konnte. Mutter und Tochter, hier von gleicher Schönheit und vom selben Blut; für Catherine Deneuve und deren Tochter Chiara Mastroianni war es das erste Mal in dieser Konstellation vor der Kamera, sie ringen zwischen den sechziger Jahren und der Jahrtausendwende mit all den Befremdlichkeiten, die ein Leben zwischen Prostitution und Kommunismus, Familie, Terrorismus und AIDS so mit sich bringt. Und die dazu führen, dass das sagenhafte Leben einer Freizeithure nicht mehr länger als beneidenswert gilt. Dem zarten Beginn wohnt bereits ein Hauch von Trauer inne, wenn die Französin Madeleine, ganz Belle de jour, und der tschechische Arzt sich gemeinsam versuchen am immer währenden Frühling der freien Liebe in Prag. Auch wenn Madeleine, nach dem Einmarsch der Russen wieder in Paris lebend und nun verheiratet mit einem anderen, ihren Jaromil (den hier Milos Forman geben darf, außerhalb der Rückblenden) selbstredend weiterhin empfängt, ahnt man, wie das wohl enden mag. Küsse, Schwüre und gebrochene Herzen - die Männer schlagen sich, die Frauen leiden - die Männer sind leidenschaftlich, die Frauen umwerfend. Kein Filmvolk der Erde wirft solche Libertinage derart locker auf die Leinwand, wie es unsere verehrten Nachbarn zu tun pflegen. Altmodisch und schön.

Buch: Christophe Honoré

Regie: Christophe Honoré

Darsteller: Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Louis Garrel, Milos Forman

Kamera: Rémy Chevrin

Musik: Alex Beaupain

Produktion: Why Not Productions

Bundesstart: 03.05.2012

Start in Dresden: 17.05.2012

FSK: ab 12 Jahren