TRAILER

Der letzte Bulle - Der Kinofilm

Kriminalkomödie, Deutschland 2019, 100 min

Als mir Herr Krabbe diesen Film zum Rezentat vorschlug, so mit der Kurzbeschreibung, ein Polizist fällt in den 80er Jahren ins Koma und wacht irgendwie so 25 Jahre später auf, dachte ich mir, och das klingt doch recht interessant und hatte auch eher so nen Volkspolizisten bzw. Abschnittsbevollmächtigten aus der Neustadt vor meinem geistigen Auge, was in der Tat ein höchst interessanter Film geworden wäre. So wie der seine Neustadt nicht mehr wieder erkennt und erst mal glaubt, dass er in Kreuzberg ist oder so, also wie sich ein Volkspolizist das halt so vorgestellt hat.
Als passionierter Nichtteleviseur wusste ich natürlich nicht, dass es im westdeutschen Nichtbezahlfernsehen mal ne gleichnamige Serie plus selbigen Inhaltes gab. Schließlich wurde ich mit »Polizeiruf 110« (nicht Hunderzehn!) und »Der Staatsanwalt hat das Wort« gymnastiziert, mit Dr. Peter Przybylski, der nach jeder Sendung förmlich aus dem schwarz/weiß-RFT-Fernseher in die Wohnstube kroch, um auch dem letzten Bürger der Deutschen Demokratischen Republik klar zu machen, Krimbonalität lohnt sich nicht!
Aber zurück zum eigentlich Film und weit gefehlt, nichts mit Neustadt-ABV, der mal ordentlich die soziale Ecke aufmischt und den Kreuzungsbereich sowie den Gleiskörper von den kreativen Revolutionären der Neuzeit mit harter Hand hinwegfegt, um sie auf ihre Plätze zurückzuverweisen, wo sie hingehören. Auf den Steig des Bürgers, ach was sage ich, auf den Müllhaufen der Geschichte! So, nun ist aber dieser letzte Bulle, Kommissar Mick Brisgau (Henning Baum) nicht nur nicht aus der DDR, sondern auch noch aus´m Ruhrpott, eine Region, die glaube ich bis heute noch nicht weiß, dass es die DäDäRädä nicht mehr gibt. Das scheint wohl auch einer der Gründe zu sein, dass man, wie bereits in der Sat.1-Serie, einfach die alt bewährte Schimanskinummer aus dem Hut zaubert, halt nur etwas schlichtgemütiger und einfach 17 km weiter ins wunderschöne Essen verlegt, damit´s nicht ganz so blöd aussieht. Unser Polizeier ist auch nicht so einfach aus dem Nichts ins Koma gefallen, sondern wurde einst in den Kopf geschossen, was sehr unangenehm sein soll und in der DDR hätte auch gar nicht passieren können. Nun ist er nach über zwei Jahrzehnten unerwartet wieder erwacht und da hat sich dann doch einiges geändert. Nicht nur, dass seine Freundin Lisa mittlerweile mit einem anderem Herrn verheiratet und seine Tochter erwachsen ist, sein ehemaliges Team nunmehr von einer Kommissarin angeführt wird, nein da gibt es plötzlich StarTreckmäßig Handys, das Internet, den grünen Pfeil, Frauenboxen und ein wiedervereinigtes Deutschland, das für Essen, wie wir Eingangs gelernt haben, nicht so von Relevanz ist. Da die Presse von dieser pottösterlichen Auferstehung Wind bekam, darf unser Mann auch gleich wieder seinen Dienst aufnehmen, was sich für beide Parteien etwas schwierig gestaltet. Während unser komatöser Freund mehr die schmutzige Haraldnummer drauf hat, üben sich seine neuzeitlichen Kollegen eher darin, Fälle ordentlich-bürokratisch und mit weichen Schläfen aufzuklären. Jedes harte Wort unseres Protagonisten ist für seine Kollegen immer wieder eine emotionale Grenzerfahrung im Sinne Steiners, trotzdem müssen sich beide Parteien irgendwie zusammenraufen und Kommissar Brisgau muss schließlich ja noch den Mann finden, der ihm zwei Dekaden seines Lebens klaute. Da wird nicht lange rumgequatscht, da hängt die Lippe und die Pfeffis wundern sich.

Ray van Zeschau (weitermachen)