Originalfassung mit UT
TRAILER

Für Sama

Originalfassung mit dt. Untertiteln
Dokumentation, Großbritannien/Syrien 2019, 104 min

Aus über fünfhundert Stunden Videomaterial, welches die syrische Studentin Waad Al Kateab zwischen 2011 und 2017 in Aleppo aufgenommen hat, wurde dieses Kriegstagebuch zusammengeschnitten. Ihr Equipment hat sich im Verlauf der Jahre ebenso verändert, wie sich auch ihr Anliegen wandelte. Bei Ausbruch der Revolution hielt sie noch jedes Ereignis mit ihrem Handy fest, teils aus Freude am Aufbruch, teils in dem Wissen, das Assad-Regime leugnet jegliche Gewalt am eigenen Volk, während gefolterte Menschen mit durchschnittenen Kehlen in den Flüssen trieben. Sie begleitet Studenten, versorgt Demonstranten und hilft ein Notlazarett einzurichten und entscheidet sich bereits sehr früh, in Aleppo zu bleiben. Waad Al Kateab rettet sich mit einer auf den Kopf gestellten Kausalität von Tag zu Tag, von Bombardierung zu Bombardierung; wäre sie, wie viele andere, aus Aleppo fortgegangen, hätte sie die Belagerung ihrer Stadt nicht dokumentieren können. Weil sie geblieben ist, nimmt sie alles auf. Später versorgt sie Channel 4 in Großbritannien regelmäßig mit Bildern vom Kriegsschauplatz Aleppo. Unter »Inside Aleppo« findet man Teile dieses Filmes wieder. Der Ostteil Aleppos gehört zu den meist bombardierten Orten in Syrien, weil hier neben allen anderen Aufständischen auch die Al Nusra Front kämpft. Hier führt Waad Al Kateab ihr Kriegstagebuch. Mittlerweile tut sie das für ihre Tochter Sama. Das kleine Mädchen kennt seit ihrer Geburt nur diesen Krieg. Sie lebt im Keller eines der wenigen Krankenhäuser der Stadt, weil ihr Vater Dr. Hamza hier jede Minute gebraucht wird…
Bereits einhundert Jahre vor dem Syrienkrieg sprach man davon, dass das erste Opfer des Krieges immer die Wahrheit sei. Womöglich gab es in der Neuzeit keinen verlogeneren Krieg, und so kann man auch den Oscar nominierten »For Sama« kritisch hinterfragen, wie es Journalist Rick Sterling tat. Doch am Ende ist es mit diesem Film wie mit den drei Bussen aus Aleppo. Die aufrecht stehend Schutz vor Scharfschützen boten. Sie sollten eigentlich Menschen durch eine Stadt transportieren. Und so sollte das Film-Kinderbuch einer Mutter für ihr Kind auch nicht während eines Streubombenangriffes erstellt werden.
Alpa Kino