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Auf der Couch in Tunis

Komödie, Frankreich 2020, 89 min

Die meisten wollen da weg, sie will das Gegenteil: Wieder nach Hause, nach Tunesien. Die selbstbewusste Kette rauchende Psychologin Selma (grandios: Golshifteh Farahani) ist seit ihrem zehnten Lebensjahr in Frankreich aufgewachsen und hat im Sinn, sich in Tunis als Psychotherapeutin selbstständig zu machen. Eingeflattert wie ein lange abwesender und stark veränderter Zugvogel, hat sie Mühe, den Widerstand und die Skepsis ihrer von der Diktatur geprägten und der Revolution erschütterten Landsleute zu überwinden. Die lassen Selmas westliche Schnelligkeit gekonnt ins Leere laufen. Die Bürokratie braucht auch Zeit, Praxisgenehmigungen sowieso. Bis sie den offiziellen Schein hat, trifft Selma ihre ersten Klienten einfach auf dem Dach eines Wohnhauses. Bald wird sie von Buchungen überflutet. Der Redebedarf der Einheimischen ist noch größer als der anfängliche Widerstand. Mysteriöse, politisch-obskure, erotische, feministische und hoffnungslos übermoralische Textflächen prasseln wild auf Selma ein. Das schrille, pralle Leben eben.
Manele Labidi verneigt sich mit ihrer Geschichte der Identitätssuche einer jungen Frau lustvoll-augenzwinkernd vor der Heimat ihrer Eltern. Die Besetzung von Golshifteh Farahani, bekannt aus Jim Jarmusch »Paterson« ist ein Coup. So stellt Labidi mit »Auf der Couch in Tunis« ein gelungenes Spielfilmdebüt vor, eine knackfrische, fluffige Sommerkomödie.
Grit Dora