Schwarze Milch

Drama, Deutschland 2020, 92 min

Zwei Schwestern, geboren in der mongolischen Wüste. Sie erfahren ein Stück gemeinsame Kindheit, dann werden sie getrennt. Wessi verschlägt es nach Deutschland, Ossi bleibt in der Mongolei und lebt das traditionelle Leben der Nomaden. Mit Mitte dreißig lässt Wessi eine Altbauwohnung und eine Kampfbeziehung hinter sich und reist in ihre Heimat. Ein Road Trip beginnt, der in einen zunächst sanften, dann immer heftiger ausgetragenen Culture Clash mündet. Regisseurin Uisenma Borchu stellt in »Schwarze Milch« Fragen nach Identität, Heimatbegriff, Konventionen und Freiheit. Wie in ihrem Regieerstling »Schau mich nicht so an« tut sie dies auf gleichermaßen bestürzend schöne und schroffe Weise. Borchu, die in ihren Arbeiten häufig die eigene Herkunft und das Knirschen zwischen den Kulturen thematisiert, hat auch das Drehbuch geschrieben und spielt die Rolle der Wessi. Sie stellt ihre Figur selbstbewusst vor die Weite der Wüste und lässt sie nie darin verschwinden. Immer provokant, gelegentlich zweifelnd, keinen Moment selbstauflösend ist ihre semiautobiografische Geschichte in jeder Sekunde Selbstermächtigungsauftrag. Kraftvolles Kino.
Grit Dora