Dienstag, 21.März 20:00 Club Passage
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Paula - Mein Leben soll ein Fest sein

Doku-Drama, Deutschland 2016, 123 min

Paula Modersohn-Becker ist die früheste Expressionistin unter den deutschen Malerinnen. In den kaum vierzehn Jahren ihres Schaffens entstanden 750 Gemälde und etwa 1.000 Zeichnungen. Sie starb kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes im Alter von 31 Jahren.
Die junge Malerin bricht Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrem Aufenthalt in der Künstlerkolonie Worpswede in die Männerdomäne Kunst ein. Widerstand aus den Kreisen der Kollegen und Kritiker wird ihr reichlich zuteil. Berüchtigt ist das vernichtende Urteil des damals hoch angesehenen Kunstkritikers Richard Haman, der ihre Arbeiten als „gemalten Schrei des Weibes nach dem Kinde“ deklassierte.
Paulas außergewöhnliche Begabung, ein gutes Selbstbewusstsein, das sie wohl auch der Unterstützung ihrer Familie verdankte und das unter den Gegebenheiten der Epoche recht weitgehende Verständnis ihres Mannes Otto Modersohn gaben ihr das nötige Selbstvertrauen, die Kraft und das enorme Durchhaltevermögen, ihren eigenen künstlerischen Weg zu gehen. Mehrere Aufenthalte in Paris, die Entdeckung Paul Cezannes, Paul Gauguins und Vincent van Goghs beeinflussten ihr Schaffen und beförderten die Loslösung von der Worpsweder Malerei. Paula Modersohn-Becker steht solitär und herausragend für den deutschen Expressionismus.
Als eine der wenigen berühmten Künstlerinnen jener Zeit steht sie so auch für den Spagat der modernen Frau, für die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für die Abhängigkeiten, die unsichere soziale Verhältnisse schaffen.
Folgerichtig erzählt Christian Schwochow in seinem Biopic nicht nur die Geschichte einer um künstlerische Selbstverwirklichung ringenden jungen Frau. Er legt den Fokus auf die Beziehung zwischen Paula und ihrem Mann und Künstlerkollegen Otto, das Ringen um romantische Liebe, den Kampf mit den Widrigkeiten des Alltags, das Elterndasein für Ottos Tochter aus erster Ehe. Damit macht er aus »Paula« trotz oder gerade wegen des ausgesprochenen Schwelgens in den Dekors und Kostümen der Epoche einen erstaunlich modernen Film. Carla Juri und Albrecht Schuch verkörpern das malende Ehepaar mit beeindruckender Intensität.
Grit Dora