Sonderveranstaltung

Sibiriade

Drama, UdSSR 1980, 202 min

Es geht die Anekdote, dass sich einst die Regisseure Bernardo Bertolucci, Francis Ford Coppola und Nikita Michalkow auf einem Filmfestival zum gemeinsamen Umtrunk fanden und dort beschlossen, ein jeweils etwa sechsstündiges Monumentalwerk über die Geschichte ihrer Heimat zu drehen.
Herausgekommen sind »1900«, »Der Pate« und »Sibiriade«. Bei aller Hochachtung vor der italienischen und der amerikanischen Produktion, die beste ist die russische, auch wenn sie fast niemand kennt. Dies liegt daran, dass Anfang der 80er Jahre kaum jemand Interesse an sowjetischen Filmen hatte. So konnte Kontschalowski zwar den Regiepreis von Cannes in Empfang nehmen, aber in der ehemaligen BRD kam der Film nicht ins Kino. In der DDR wurde er mit zwei Kopien eingesetzt, doch das bis zum Überdruss vorhandene Angebot sowjetischer Filme ließ kaum jemanden Lust verspüren, sich die auf gut drei Stunden gekürzte Kinofassung der »Sibiriade« anzusehen. Von den etwa 20 Vorstellungen die der Film in Kinos der DDR hatte fanden 17 in Dresdner Filmklubs statt, die als einzige die Größe und Wucht dieses Werkes für sich entdeckt hatten.
Erzählt wird am Schicksal zweier verfeindeter Familien die Geschichte Sibiriens bis in die 70er Jahre. Politik und Poesie, Liebe und Gewalt, Hass und Opfermut, ein aufwühlendes Epos voller Emotionen. Nikita Michalkow spielt im Film seines Bruders den Chef eines Erdölbohrtrupps. Er spielt ihn so, wie wir uns diesen Nikita wohl auch ganz privat vorstellen können: Kraftvoll, lustig und doch ein tragischer Held, polternd laut und dennoch sensibel, ebenso voller Liebe wie arrogant und verletzend.