Übersehen

Übersehen
In der unglaublichen Menge an Kinofilmen, die Woche für Woche neu gestartet werden, sind seit einigen Jahren auch sehr viele französische. Leider verbirgt sich hinter dieser Masse oft keine Klasse. Reißbrettartige, nach immer ähnlichen Mustern gestrickte und mehr oder minder belanglos alberne Komödien dominieren das Angebot. Auch wenn viele davon nicht erfolgreich sind, versperren sie doch mitunter den Blick auf die interessanten und gelungenen Filme.
Zu Unrecht finden wir und präsentieren deshalb noch einmal eine Auswahl im Rahmen der Filmtage. Es ist vielleicht die letzte Chance, diese Filme auf der Kinoleinwand sehen zu können!

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Der andere Liebhaber

Drama/Thriller, Frankreich/Belgien 2017, 108 min

François Ozon ist eine faszinierende Konstante des europäischen Kinos. Recht jung mit »8 Frauen« zu einem der bekanntesten Regisseure Frankreichs aufgestiegen, scheint es in den letzten Jahren ruhiger um ihn geworden zu sein, auch wenn er mit beeindruckender Konstanz fast jährlich einen Film veröffentlicht. Dabei erfindet er sich immer wieder neu, formal und erzählerisch. So ist sein vorletzter Spielfilm »Frantz« ein schlichtes Schwarz-weiß-Drama und erzählt von einer ungewöhnlichen deutsch-französischen Liebesgeschichte während des Ersten Weltkrieg. Sein neuster Film ist auf den ersten Blick auch eine einfache Liebesgeschichte, diesmal im Gewand eines verzwickten Erotikthrillers, der sich zu einem Drama über Neurosen, Sex und die dunklen Seiten gespaltener Persönlichkeiten weitet. Ozon stellt in den Mittelpunkt seiner Geschichte ein junge Frau, die zwischen der Realität und ihren Sehnsüchten und Fantasien gefangen ist. Doch selbst ihre Heilung lindert nur. Ihre Liebe hindert sie, eine intensivere und hemmungslosere Seite ihrer Sexualität auszuleben.
Ozon baut ein Labyrinth aus verwickelten Wendungen, Spiegelungen und Dopplungen. Dabei führt er seine Zuschauer gewohnt kunstvoll hinters Licht und provoziert mit verstörenden Einstellungen. Gleich zu Beginn schockiert er den Zuschauer mit einer unglaublichen Kamerafahrt.
»Der andere Liebhaber« basiert lose auf einem Roman von Joyce Carol Oates, den sie unter dem Pseudonym Rosamond Smith veröffentlichte, und feierte seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2017.
Chloé (Marine Vacth) leidet unter rätselhaften Bauchschmerzen. Da alle ärztlichen Untersuchungen ohne Ergebnis bleiben, sucht sie Rat bei dem Psychologen Paul (Jérémie Renier). Bereits nach wenigen Sitzungen geht es der jungen Frau besser, zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich verstanden. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung und Chloé ist glücklich. Sie zieht mit ihm zusammen, doch schon bald merkt sie, dass er ihr etwas verheimlicht. Durch Zufall entdeckt Chloé, dass Paul einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls Therapeut ist. Von Neugier getrieben begibt sie sich bei ihm in Behandlung und ist geschockt: Obwohl er ihm äußerlich aufs Haar gleicht, ist Louis das völlige Gegenteil seines Bruders - arrogant, zynisch und besitzergreifend. Trotzdem fühlt sich Chloé von ihm angezogen und gerät in ein gefährliches Geflecht aus Begierde und Täuschung.
ak