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Die Verlegerin

Drama/Thriller, USA 2017, 117 min

Man möchte Kalkül vermuten, dass der neue Steven Spielberg Film »Die Verlegerin« kurz vor den Oscars in den Kinos startet. Doch wahrlich war es eine spontane Entscheidung des Regisseurs, diesen Film noch parallel zu seinem Science-Fiction-Film »Ready Player One« innerhalb weniger Monate abzudrehen. Er erzählt die Geschichte der mutigen Verlegerin Katharina „Kay“ Graham (Meryl Streep) der Washington Post, welche zusammen mit ihrem Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) im Jahr 1971 die „Pentagon-Papiere“ zu veröffentlichen gedenkt. Diese enthalten die Wahrheit über Vertuschungsmaßnahmen von vier Präsidenten während der vergangenen Kriege. Dies wird zu einem nervenzerreißenden Kampf nicht nur für die Pressefreiheit, sondern auch für den Feminismus, den die erste Herausgeberin in der amerikanischen Geschichte austragen muss. Mit geschultem Handwerk und einem großartigen Ensemble erzählt Spielberg selbstverständlich souverän und intensiv von einem der neben der Watergate-Affäre größten Politskandale Amerikas. Dabei schafft er es trotzdem, eine Zeitlosigkeit zu erzeugen, durch welche das Thema für unsere Zeit spannend wird. Von seinem liberalen Standpunkt ausgehend macht er auch hier, wie schon bei »Lincoln«, seine historisch verpackte Botschaft klar und kommentiert so eindringlich zeitgenössische Ereignisse. Unweigerlich überträgt man die Hasstiraden von Richard Nixon auf den heutigen Präsidenten. Diese Mischung aus Historie und Aktualität macht den Film so mitreißend und packt die Zuschauer bis zur letzten Sekunde.
Auch wenn »Die Verlegerin« bei den Golden Globes trotz sechs Nominierungen leer ausging, hat Spielberg mal wieder ein OSCAR-reifes Werk abgeliefert.
Doreen