Sonderveranstaltung

Rückstände - Das, was hängen bleibt

Scheitern als Chance - Abrechnung mit Gewinn „Rückstände - Das, was hängen bleibt“ Ein Film von Toni Scholz, Deutschland 1972 bis 2017, 64 Minuten

Etwas bleibt immer zurück. Und wenn es die Haare im Abfluss sind. Das Leben fließt, aber nicht alles fließt ab. Rückstände bleiben. Das ist gut, wenn man sich gerne erinnert, das ist nicht so gut, wenn es anders ist. Zu ändern ist es nicht. Wie lange braucht man um beides zu akzeptieren, um erwachsen zu werden? Nach 45 Jahren rechnet Toni Scholz in seinem Film „Rückstände - Das was hängen bleibt“ ab: Traumata, Wut, Vorfreude, Ängste, Bewunderungen, Sehnsüchte, Befreiung durch Enttäuschung, Neigungen, Verliebtheit, Ekel, Lust, Vorurteile, Urteile…
Er ist nicht allein mit seiner Einsicht, Scheitern als Chance zu begreifen. Zwanzig Betroffene spiegeln ihr Scheitern auf ganz unterschiedliche Weise, direkt, indirekt, persönlich, absurd und skurril, realistisch, verfremdet oder fiktiv, mit einem Lächeln oder einer Träne im Knopfloch, in den Facetten gemeinsamer Erinnerungen. Sogar Spinnen hilft manchmal der Wahrheit näher zu kommen. Der Autor filmt sie und richtet dabei doch den Blick auf sich. Dieser Blick durchbricht die Oberfläche. Macht Verletzlichkeit stark? Toni Scholz und seine Rückkehr zu sich selbst: Scheitern als Chance. Abrechnung mit Gewinn. Das Leben ist ein Traumtanz, wenn wir erwachen ist es vorbei.
Boris Gruhl