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Steig. Nicht. Aus!

Thriller, Deutschland 2018, 109 min

Bereits wenn ich den Namen des Regisseurs Christian Alvart lese, möchte ich mental aussteigen, da mich so ein leicht quälendes Gefühl der Fremdscham überkommt, was wohl aber mehr an Til Schweigers Brandpost aus dem Jahre 2016 bei Facebook zu tun hat, in der er den Alvart und vor allem sich selbst schwer für den megagefloppten Kino-Tatort „Tschiller: Off Duty“ (280.000 Besucher) abfeierte und was von der „Craft“ stammelte und alle außer Mutti, der Chrischi und natürlich er selbst, total doof sind.
Aber fangen wir zunächst erst einmal an, dem Film ein paar positive Seiten abzugewinnen. Das herausragendste Attribut ist in erster Linie, dass man nicht mit Til Schweiger belästigt wird. Zum zweiten besann man sich, obwohl der Film in Berlin spielt, wieder der deutschen Sprache, so dass das Werk nicht „Don´t. Go. Out!“ heißt. Aber dann wird munter in Willi Schwabes Rumpelkammer geplündert und gediebstahlt, dass die Heide knackt.
Der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) hat Hochzeitstag, das aber auch nur noch auf dem Papier, da seine Ehe mit Simone (Christiane Paul) nicht gerade sehr rund läuft. Also packt Karl die beiden gemeinsamen Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) in den Kraftwagen, um sie auf dem Weg ins Büro in der Schule abzusetzen. Da plötzlich klingelt seltsamerweise ein Handy im Handschuhfach des Wagens und der verdutzte Karl bekommt von einer unbekannten Person die Anweisung, den Wagen nicht zu verlassen, sprich »Steig. Nicht. Aus!« Anderenfalls würde ein im Wagen installierter Sprengsatz das Leben der Kinder und Karls ein Ende setzen. Natürlich kann das Ungemach abgewendet werden, wenn Karl einen hohen Betrag teuren Geldes auf ein so genanntes Offshore-Konto transferieren lässt, und da beginnen auch schon die Unannehmlichkeiten. Karl telefoniert, dass die Berliner Luft glüht, und immer mehr sollen diese Telefonate verdeutlichen, was er doch für ein skrupelloser kapitalistischer Berliner Bauunternehmer ist. Doch die sozialkritische Attitüde versumpert in ungelenker Aufgesetztheit und Alvarts mangelhafter Figurenzeichnung. Als Karls Ehefrau ihn auch noch verdächtigt, die Kinder entführt zu haben, schaltet sich nun noch die Polizei ins Szenario und der Hund wird komplett in der Pfanne verrückt.
Mit epileptischer Schnittintensität wird hier schwer der Hermann gegeben und diverse zentrale Ungereimtheiten verplumpen den Film, je mehr sich die Geschichte in die Länge zieht. Nachdem uns Hollywood in »Die Bourne Verschwörung« oder »Unknown Identity« offensichtlich die wichtigsten Plätze Berlins präsentieren wollte, lässt Christian Alvart hier noch mal scharf nachwaschen, dass man den Eindruck erhalten könnte, in einem Werbefilm des Berliner Tourismusbüros gelandet zu sein. Action und Hubschraubereinsatz auf dem Gendarmenmarkt ist schon megaalbern und hätte nur noch durch eine Schießerei unter der Weltzeituhr getoppt werden können. Eine Frage hätte ich aber noch. Gehört es zum Kultur- und Bildungsauftrag des ZDF, Berlin-Actionfilme von Christian Alvart mitzufinanzieren?

Ray van Zeschau (Zwangsmitfinanzierer)