Originalfassung mit UT
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Augenblicke: Gesichter einer Reise

franz.O.m.dt.U.
Dokumentation, Frankreich 2017, 94 min

Der junge François Truffaut schrieb über Agnès Varda zu Beginn ihrer Filmkarriere, ihr mache das Filme drehen Spaß. Das könne man sehen, also solle man sich ihre Filme gefälligst auch mit Freude anschauen. Ja, mit was denn sonst? Bei ihrem aktuellen Filmspaß schnappt sich die Grande Dame des französischen Films den 33-jährigen Fotografen und Streetart-Künstler JR (Jean Rene) und besteigt mit ihm das rollende Polaroid-Mobil. Welches in Echtzeit riesige s/w Plots ausspuckt, die JR gern zu großen Portraits zusammenbaut und an alle verfügbaren Fassaden klebt. Gemeinsam kutschieren die Beiden mit ihrem Projekt »Visages villages« quer durch Frankreich. Im Land derer, die einst die Photographie erfanden wie auch die Kinematographie, hinterlassen sie eine wunderbare Spur. Die 90-jährige Großmutter der Nouvelle Vague nutzt die Gelegenheit noch einmal zu tun, was sie am besten kann; Menschen begegnen und ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Dabei war der Zufall immer schon Madame Vardas bester Regieassistent. Der Zufall, oder sollte man besser sagen das Glück, castet ehemalige Bergarbeiter, Kellnerinnen, Fabrikarbeiter oder deren Witwen und während sie erzählen, wo sie der Schuh drückt, klebt JR bereits Teile ihres Gesichtes an Häuserwände. Auf ihrer Tour de France besuchen sie auch das Grab von Henri Cartier-Bresson und schauen bei Jean-Luc Godard, einem alten Freund der Varda, rein, um ein für alle Mal die Sonnenbrillenfrage zu klären. Wenn Madame Varda mit diesem OSCAR-nominierten Film wirklich die Filmkamera aus der Hand legen sollte, werden ihre Augen, auf einem Güterzug klebend, sich das Land trotzdem noch lange ansehen. Mit Freude.
Alpa Kino