Sonntag, 12.August 20:00 Programmkino Ost

im Anschluss Gespräch mit Elias Macke u. Christoph Brüning von Jugend Rettet e.V.. Moderation: Thomas Jeschner, Produzent (in Kooperation mit LIFELINE)

Sonderveranstaltung

im Anschluss Gespräch mit Elias Macke u. Christoph Brüning von Jugend Rettet e.V.. Moderation: Thomas Jeschner, Produzent (Kooperationspartner: LIFELINE

Sondereintrittspeis: 6 €/ 5 € ermäßigt

TRAILER

Iuventa

Dokumentation, Italien/Deutschland 2018, 92 min

Im Jahr 2015 hatte der damals 19jährige Jakob Schön genug davon, Bildern von im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen zu sehen, die von Schleppern auf oft baufälligen, ganz sicher nicht hochseetauglichen Schiffen von Libyen nach Europa gebracht werden sollten. Er gründete die Nichtregierungsorganisation „Jugend Rettet“, die begann, Spenden zu sammeln und ein Boot kaufte, das auf den Namen Iuventa getauft wurde. Ab dem Frühsommer 2016 war die Iuventa und ihre Besatzung, die zum Teil aus professionellen Seemännern und Ärzten, vor allem aber aus jungen Enthusiasten bestand, im südlichen Mittelmeer unterwegs, unweit der Küste Libyens, in internationalen Gewässern. Zusammen mit anderen oft privaten, aber auch manch staatlichen Akteuren, wartete die Iuventa nun auf Flüchtlingsboote, die sie auf hoher See aufnahm, notdürftig versorgte und in die Auffanglager auf vorgelagerten italienischen Inseln wie Lampedusa brachte.
Mit dabei: Der italienische Regisseur Michele Cinque, der von dem Gedanken der selbstlosen Hilfe, die Jugend Rettet antrieb, begeistert war und die Ereignisse mit der Kamera beobachtet. Freimütig deutet der Regisseur zu Beginn seines Films seine große Sympathie für das Vorgehen von Jakob Schön und seiner Mitstreiter an.
Nach dem aufreibenden ersten Sommer ziehen Schön und seine Mitstreiter Revue, fragen sich, ob und wenn ja was sie bewirkt haben, vor allem auch in Hinblick auf das zweite Ziel: Mit dem Einsatz privater Rettungsboote Druck auf die politischen Institutionen aufzubauen und diese zu zwingen, die Flüchtlingsthematik anzugehen.
Doch so einfach funktioniert die Welt und schon gar die Politik nicht, wie immer deutlicher wird. Die Frage, ob die privaten Retter durch ihre Präsenz den Schleppern nicht einen Teil der Arbeit abnehmen und damit unfreiwillig zum Teil der ausbeuterischen Strukturen werden kommt dabei ebenso auf wie die noch viel wichtigere Frage, was denn mit all den Flüchtlingen passiert, die es nach Europa schaffen. Wenn da Schön und seine Freunde von ihnen gerettete Flüchtlinge in Lagern in Italien besuchen, wo diese schon seit Monaten darauf warten, dass es weitergeht, dass irgendwas passiert, offenbart sich die ganze Dimension der Thematik.
Wie seine Protagonisten selbst scheint auch Cinque während der Arbeit an seinem Film einen Wandel erlebt zu haben: Vom puren Enthusiasmus, von der Überzeugung, das Richtige zu tun, zur Erkenntnis, dass die Probleme nicht so einfach zu lösen sind. Diese Nachdenklichkeit macht die Stärke von „Iuventa“ aus, der die Arbeit der Helfer nicht unreflektiert bejubelt, sondern sie würdigt, dabei aber das große Ganze nicht aus den Augen verliert.