Mittwoch, 19.September 19:30 Programmkino Ost
Filme vom Abschied

Im Anschluss Gespräch mit Daniela Freigang, Seniorenbegleiterin und Krankenschwester, ALTERnativ Netzwerk älterwerdender Menschen Sachsen e.V.

Im Anschluss Gespräch mit Daniela Freigang, Seniorenbegleiterin und Krankenschwester, ALTERnativ Netzwerk älterwerdender Menschen Sachsen e.V.
Moderation: Dr. med. Barbara Schubert, Chefärztin Bereich Onkologie, Palliativmedizin und Geriatrie St. Joseph-Stift Dresden

TRAILER

Lucky

Drama, USA 2017, 88 min

Das Alter ist nichts für Feiglinge. Erst spät rückt das Leben raus mit dieser Wahrheit, und das ist gut so. Je älter man wird, desto länger lebt man. Und hat Zeit für quälende Fragen. Paul Verhoeven (»Elle«) meinte jüngst, solange er Filme drehe, denke er nicht jeden Tag darüber nach, dass er bald verschwinden müsse. Und dass alles mit ihm verschwinde. Einer, der auch seit geraumer Zeit wusste, wo er sich auf Gottes Zielscheibe befand, war Harry Dean Stanton. Zwei Jahre, bevor Stanton 91-jährig verschwand, fing Regisseur John Carroll Lynch diese seltsame Stimmung ein. Lucky oder, wenn man so will, Dean Stanton gilt in seinem Wüstenkaff als das Abbild eines kerngesunden Cowboys; Augen auf, Radio an, eine Zigarette, raus aus dem Bett, 21 mal Armkreisen und ein Glas Milch. Noch eine Zigarette, und dann wird der Tag perfekt durch einen Gang zu Joe. Du bist Nichts, lautet die sarkastische Begrüßung. Erkenntnis und Kaffee; ein buddhistisches Frühstück fürs Leben. Im Grunde ist Lucky bereit, ist reisefertig, hier macht er keine neuen Freunde mehr. Und seine Macken beschützen ihn vor wilden Gedanken übers Sterben. Sowie die Einsicht, dass man Nichts ist. Wer Mitglied in Dean Stantons - Appreciation of Nothing - Facebook Gruppe ist, weiß, wie wichtig ihm diese Formel war. Hier haut Lucky jedenfalls nichts mehr um, höchstens eine Silberkugel oder ein Pflock ins Herz, so unkt auch Luckys Doktor tags darauf. Nachdem es Lucky umgehauen hatte. Einfach so. Beim Betrachten der Kaffeemaschine. Falls er beunruhigt sei, könne er mit dem Rauchen aufhören, allerdings fürchte der Doc, ginge es ihm danach vermutlich schlechter… Harry Dean Stanton hat seit seiner ersten Hauptrolle in »Paris, Texas« nichts verlernt. An seinem Gang erkennt man ihn sofort wieder und an seinem Blick. Mit dem der Neunzigjährige, nun doch unsicher geworden, in die nahende Dunkelheit starrt… Wie er sich doch sein Lächeln zurückgewinnt, mit David Lynch der Riesenschildkröte Roosevelt die Freiheit schenkt und wie er zum Abschied ""Volver, volver"" singt, … das ist Nichts. Nichts als ganz großes Kino.
Alpa Kino