Freitag, 9.November 20:00 Programmkino Ost

im Rahmen der Tagung "Multiprofessionelle Teams" der Evangelischen Hochschule Dresden

Sonderveranstaltung

im Rahmen der Tagung "Multiprofessionelle Teams" der Evangelischen Hochschule Dresden, Einführung zum Film von Béla János Bács

Kirschblüten und rote Bohnen

Drama, Japan/Frankreich/Deutschland 2015, 109 min

Es gibt Menschen, denen gelingen die geschlagenen Bohnen jedes Mal, und andere fragen sich ihr Leben lang, was das Geheimnis ist. Einen Film darüber zu machen, auf die Idee muss man erstmal kommen. AN, die traditionelle Bohnenpaste, mit der man in Japan die Pfannkuchen füllt, gelingt dem Besitzer einer kleinen Imbissbude nie. Die Zubereitung ist langwierig und erfordert reichlich Geduld. Deswegen kauft Sentaro die fertige Paste im Großhandel. Das entspricht seinem mürrisch freudlosen Charakter noch am ehesten. Das Ergebnis: Sein Geschäft läuft miserabel. Und die Besitzerin der Bude sitzt Sentaro eh schon im Nacken. Nur zwei Menschen nagen noch hartnäckiger an Sentaros Geduld. Wakana, eine junge Schülerin, die regelmäßig mit ihren Freundinnen hier isst und Tokue, eine ältere Dame, die immer wieder anbietet, ihm bei der Arbeit helfen zu wollen. Vielleicht ist die Kirschblüte schuld, vielleicht will Sentaro nicht länger von der alten Dame für seine miese Pfannkuchenfüllung kritisiert werden, jedenfalls willigt er ein, ein paar von ihren Pfannkuchen zu probieren. Vollkommen überwältigt vom Geschmack ringt er sich eine Zusage ab. Tokue soll einen Probetag bei ihm arbeiten. Denn einen Tag dauert es mindestens, ehe sich die roten Bohnen verwandeln, unter ständigem Rühren, Warten und Vermengen von Zutaten. Das Ergebnis ist grandios. Sentaro und Tokue genießen ihr Tagewerk im doppelten Sinn, sie lecken sich die Finger und freuen sich über eine angenehme Veränderung des Lebens. Schnell finden die beiden einen Draht zueinander und staunen nicht schlecht, wie die neue Leckerei sich im Viertel rumspricht. Auch Wakana lernt Sentaros erhellte Miene zu schätzen, und für einen kurzen, schönen Moment sind drei Menschen sehr glücklich. Es war das erklärte Ziel von Regisseurin Naomi Kawase, jenes Wunder in den Mittelpunkt zu stellen, das von unsichtbaren Dingen ausgeht. Von den Dingen, die notwendig sind, damit ein vergängliches Element Namens Glück entsteht. Sie war auch fasziniert von seiner Flüchtigkeit und sah sogleich die enorme Kraft des typisch japanischen Bildes von der Kirschblüte. Sie kommt, betört und fällt herab. Als Sentaro mit den Gerüchten konfrontiert wird, die über Tokue im Umlauf sind, steht er vor einer schweren Entscheidung.
Alpa Kino