TRAILER

Climax

Drama, Frankreich 2018, 93 min

Treffen sich zwei Drehbuchschreiber, sagt der eine: „Ich hab noch kein Script für den neuen Gaspar Noé Film“, und der andere fragt: „Wie ist das Setting? Zwanzig junge Frauen und Männer, die wie wild an einer Tanzchoreographie arbeiten. Und eine riesige Schlüssel mit Sangria. Echt? Ist doch ganz easy, kipp einfach ’ne Handvoll LSD in die Bowle, und halt die Kamera drauf…“.
Überliefert ist dieses Gespräch nicht, doch die Möglichkeit dazu hätte bestanden, kurz nachdem sich Gaspar Noé entschloss, zwanzig talentierte Tänzer und Tänzerinnen einfliegen zu lassen und sie für zwei Wochen in einer leeren Schule einzusperren. Et voilà, Tür zu, Deckel drauf und schauen, was die so treiben. Konventionelle Filme interessieren Noé nicht, seine Agenda, wie im Prolog zu sehen, beinhaltet Pasolini, Lynch, Argento oder Buñuel, und im Grunde will er wieder nur eins: einen beliebigen normalen Ort in ein Irrenhaus verwandeln. Diesem Irrenhaus entkommt zu Beginn ein einzelner Menschenwurm, quer über eine schneeweiße Leinwand kriechend, bevor, alles auf Anfang, die Protagonisten gecastet werden, sie in einer sehenswerten One Shot-Einstellung eine Choreo proben und beschließen, noch eine fette Party durchzuziehen, ehe sie zusammen auf Tour gehen. Hier kommen die Drogen ins Spiel, unwichtig woher und wozu, allein um den folgenden Exzess dreht sich alles. Buchstäblich, denn Noés Kamera kannte noch nie ein Oben oder Unten. Und so stellt sie alles auf den Kopf, schaut durchs Brennglas und vergrößert die Lust und den Schmerz. Alles, was die Menschen unterm Herzen tragen, reißen sie sich nun heraus und schreiben es an die Wände; Zuversicht, Leid, Hass, Neid oder Liebe. Und haben sie zuvor noch diese Gefühle artig, wie vom Blatt, getanzt, deklinieren sie im zweiten Teil, unter Drogeneinfluss, alles noch einmal durch. Improvisieren frei, wild und blutig. Verwandeln sich von den Menschen zurück zu den Tieren. (Noé verwies hier auf Kubricks Eröffnungssequenz aus »2001 - Odyssee im Weltraum« als Inspiration«). Ein Albtraum.
Alpa Kino