TRAILER

Monsieur Claude und seine Töchter 2

Komödie, Frankreich 2018, 95 min

Es war einmal ein Mann, der hatte zwei wunderbare blonde Töchter im heiratsfähigen Alter, die eine zog es nach Lateinamerika, wo sie bei einem mehrmonatigen Schüleraustausch eine zweite Heimat gefunden hatte, die andere lernte während ihrer Au-pair-Zeit in Paris nicht nur die Stadt kennen, sondern verliebte sich in einen Franzosen (afrikanischer Herkunft). Der war ein witziger Typ, aber sehr aufgeregt als er zum ersten mal die ostdeutsche Provinz besuchte. Das Treffen verlief dann doch recht locker - mit ein paar Glasperlen konnte er seine Schwiegereltern in spe schnell auf seine Seite bringen - und hinterher meinte er nur zu seiner Angebeteten: Das hättest du mir auch gleich sagen können, dass deine Eltern weiß sind. So oder so ähnlich hat es sich zugetragen. Der Mann wurde natürlich nicht zum Anhänger von PEGIDA, im Gegenteil, er hat die Widersprüchlichkeiten dieser Welt ja selbst erleben dürfen, weiß aber auch, dass woanders auch nur mit Wasser gekocht wird.
Das Leben schreibt ja angeblich die schönsten Geschichten, nur kann ich sie leider nicht so treffend erzählen wie Monsieur Claude - noch dazu ist er ja mit gleich vier verschiedenen Kulturkreisen konfrontiert, was für zusätzliches Pointen-Potential sorgt.
Natürlich - und vielleicht ist das die Crux des französischen Kinos - schwelgt alles in verdammt schönen Bildern, ist gut situiert, wohlhabend, glatt. Da kann man die Wut der Gilets Jaunes schon ein wenig verstehen. Es ist eben nicht ihre Welt, wo man mondän wohnt, in Hotels und Restaurants verkehrt, im TGV erster Klasse fährt und mal eben um die Welt jettet. Aber dafür ist es gut gemachte Unterhaltung mit ernstem Hintergrund und kein Sozialdrama à la Ken Loach. Und wenn unsere Nachbarn diese Verbindung hinbekommen, stehen uns noch viele ebenso gute wie tiefgründige französische Komödien bevor.
Shunya