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Alfons Zitterbacke - Das Chaos ist zurück

Kinderfilm/Komödie, Deutschland 2019, 92 min

Oh Gott, da fällt mir gerade ein, dass ich immer noch im Besitz einer originalen „Alfons Zitterbacke hat wieder Ärger“ - Ausgabe von 1962 bin, welche ich mir einst 1976 aus der Pfarrbücherei der katholischen St. Josef-Pfarrgemeinde Dresden Pieschen geliehen hatte. Der Herr möge mir vergeben, und gesetzlich gesehen falle ich eh bereits viermal unter die Verjährungsfrist. Aus moralischer Sicht sage ich mir, dass ich das vorzügliche Buch bereits durch 14 Jahre Einzahlung in die Kirchenkasse mehr als genug abbezahlt habe. Für alle Zugereisten aus den alten Bundesländern oder mit der Ungnade der späten Geburt Belegten, Alfons Zitterbacke ist definitiv DDR-Kulturgut und basiert auf den Kinderbüchern des Schriftstellers Gerhard Holtz-Baumert, welche 1968 als Hörspielplatte in schwarzem 12“ Vinyl auf den Markt kam und bereits erstmals 1966 von der DEFA verfilmt wurde und auf staatliche Weisung hin gar einzelne Szenen aus dem Film geschnitten wurden, so dass Regisseur Konrad Petzold aus Protest seinen Namen aus dem Vorspann des Films entfernen ließ. Soviel Subversivität kann man heutzutage bei einem Kinderfilm wohl eher weniger erwarten. Alfons Zitterbacke (Tilman Döbler) ist 10 Jahre alt und ein kleiner Pechvogel von Format. Seine ungezügelte Fantasie und Kreativität lässt seine Eltern (Alexandra Maria Lara und Devid Striesow), Lehrer und Mitschüler oft verzweifeln und mündet zuweilen darin, dass man ihn nicht ernst nimmt, ja sogar hänselt, ungerecht behandelt und in seinem Familiennamen geradezu eine Steilvorlage sieht. Vor allem sein Vater glaubt nicht an seinen Sohn und seine ausgefallenen Ideen. Da wir seit nunmehr 29 Jahren im wiedervereinigten Deutschland leben, ist der wie schon bereits im Buch beschriebene Wunsch Kosmonaut zu werden, nicht mehr möglich, so dass auf die amerikanische Version des Astronauten zurückgegriffen wird. Als ein Fluggeräte-Wettbewerb veranstaltet wird, will Alfons endlich allen beweisen, dass er doch ein großer Erfindergeist und Wissenschaftler ist, den niemand unterschätzen sollte. Zusammen mit seinem besten Freund Benni (Leopold Ferdinand Schill) und der neuen Klassenkameradin Emilia (Lisa Moell) beginnt man deshalb den Bau einer Rakete, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll, zumindest was die Modelle der anderen Mitschüler betrifft. Und Alfons Zitterbacke wäre nicht Alfons Zitterbacke, wenn seine Rakete nicht der absolute Knaller werden würde. Leider kann der Film den Charme der literarischen Vorlage nie wirklich erreichen, da diese untrennbar etwas mit der damaligen Zeit und dem Leben der DDR im Besonderen zu tun hat und nicht einfach so in die 2000er zu adaptieren ist. Aber auch bereits die erste Verfilmung von 1966 schwächelte etwas in der Umsetzung, so dass der Filmspiegel einst meinte „Episodischer Kinderfilm, der die Ursprünglichkeit der humorvoll-satirischen Vorlage nur in Ansätzen erreicht.“ Aber durchaus charmant, dass man den titelgebenden Hauptdarsteller Helmut Rossmann von 1966 in einen Gastauftritt einarbeitete, der im wahren Leben tatsächlich ein Wissenschaftler ist und 1972 an der Humboldt-Universität in Physik promovierte.
Ray van Zeschau (promovierter Biertrinker)