Bauernopfer - Spiel der Könige

Drama/Biographie, USA 2014, 115 min

So es ist jetzt Montag 6:89 Uhr, ich bin vollkommen ermattet und die Müdigkeit versucht mich in Schach zu halten. Ich aber nicht dumm, opfere spielerisch ein paar Eier und mache mir nunmehr ein königliches Bauernfrühstück. Welch kongeniale Anbiederung an den Filmtitel, der im Original »Pawn Sacrifice« heißt und auch ein paar Möglichkeiten geboten hätte. Als ich in den 80er Jahren am Staatsschauspiel Dresden beschäftigt war, spielten ein Kollege, der tatsächlich Harald Schmidt hieß und ich eine Zeit lang dermaßen exzessivst „Dame“, dass, wenn ich nur in die Nähe einer losen Menschenansammlung kam, sofort die Situation in zu möglich spielende Damezügen umdachte. Dabei war es egal, ob ich gerade in der Kantine oder an der Haltestelle am Postplatz stand. Ja, da kann man schon einen Knall bekommen. Auch einen Knall hatte einst der wohl herausragendste königliche Brettspieler aller Zeiten Bobby Fischer, über den dieser wunderbare Film hier handelt. Nun ist Schach, wie auch Dame medientechnisch nicht so der Brüller und für den Außenstehenden so ziemlich der unspannendste Wettkampfsport, den man sich neben Taschenbillard vorstellen kann. Das änderte sich allerdings 1972 schlagartig, als Fischer als jüngster Schach-Großmeister ever die Gelegenheit hatte, sich die Krone des amtierenden sowjetischen Weltmeisters Boris Spassky zu schnappen. Nun fand aber dieser Wettkampf in der Zeit des Kalten Krieges statt, welcher dann auch als „Match des Jahrhunderts“ (???? ?? ?????? ???????? ???? ?? ???????? 1972) in die Geschichte einging und etwas mehr als nur eine schnöde Schachweltmeisterschaft oder gar ein Spiel der Könige war. Hier ging es vor allem, wie schon zuvor bei der Eroberung des Weltalls, um einen Wettkampf der Systeme. Hier saßen sich nicht nur zwei Sportsfreunde gegenüber, nein, hier nahmen die Vereinigten Staaten in der NATO und die Sowjetunion im Warschauer Pakt Platz. Bobby Fischers Kontrahent Boris Spassky war darüber hinaus von der Kommunistischen Partei dazu auserkoren, die grundsätzliche Überlegenheit der sowjetischen Gesellschaft im Allgemeinen und die der Sowjetischen Schachschule im Besonderen unter Beweis zu stellen. Das Match, welches in Reykjavik ausgetragen wurde, löste einen wahrhaften Medienzirkus und Schachboom aus.
Doch Bobby Fischer schien unter dem großen medialen Druck immer mehr die Situation zu entgleiten. Zu sehr war er auch zum Spielball zweier Weltmächte und seiner eigenen krankhaften Paranoia geworden und glaubte selbst, dass jedes Ereignis, jeder Umstand vor dem Spiel des Jahrhunderts ein perfider und wohl kalkulierter Schachzug der Mächte war. Konnte er dem Druck standhalten? Wäre es nicht an dem gewesen, wäre es sicher keine amerikanische Hollywoodproduktion geworden (Grinsesmiley). Episches Filmduell in hervorragender Besetzung mit Tobey Maguire (»Spider-Man«) als Bobby Fischer und Liev Schreiber (»Salt«) als Boris Spassky. Vorzüglich in Szene gesetzt von Edward Zwick (»Last Samurai«).
Ray van Zeschau (kennt Sebastian Baur)