TRAILER

Peter von Kant

Drama, Frankreich 2022, 86 min

Regisseur Francois Ozon ist Dauergast auf der Berlinale, schon sechs Mal war er im Programm vertreten. Der bekennende Fassbinder-Fan adaptiert in seinem neuen Film dessen berühmte Tragödie »Die bitteren Tränen der Petra von Kant«. Drei der weiblichen Hauptrollen besetzt er mit Männern - ein Statement gegen den Trend, erfolgreiche Testosteron-Filme mit weiblicher Besetzung nachzudrehen. Und er macht die Geschichte einer von Macht und Eifersucht getriebenen Beziehung um eine Umdrehung reicher noch, denn »Peter von Kant« ist auch die tiefe zärtliche Verneigung Ozons vor seinem großen Regie-Idol. Denis Ménochet spielt den überaus erfolgreichen, aber menschlich mächtig fragwürdigen Regisseur, der sich in eine Affäre zu dem jungen Schauspieler Amir (Khalil Ben Gharbia) stürzt. Zunehmender Kontrollverlust findet statt, was von Kant nicht daran hindert, seinen ihm ergebenen Assistenten Karl (Stefan Crepon) permanent zu demütigen. Dazwischen parliert er mit seiner Muse Sidonie (die große Isabelle Adjani) über Liebe, Leid und Kunst. François Ozon spielt mit zahlreichen Ebenen, verbindet die aktuelle Debatte über Machtstrukturen im Kunstbetrieb mit dem ursprünglichen Verlorenheitsgefühl, das ungleichen Beziehungen anhaftet. Dennoch ist sein Film humorvoller, auch deutlich kürzer als das Original. Optisch werden die 1970er Jahre einmal mehr gefeiert, der Plattenteller dreht sich unentwegt und durchs angemessen schräg-klaustrophobische Luxusapartement Peters winden sich die Schnüre der Festnetztelefone. Denis Ménichot verschmilzt mit seiner Rolle, wirkt aber insgesamt doch deutlich konzilianter als RWF, der singuläre Kotzbrocken. Ozon bleibt seiner Vorlage treu, versetzt sie aber mit einem guten Schuss Leichtigkeit in Richtung Boulevard. »Peter von Kant« ist ganz klar ein Muss für alle Fassbinder-Fans und -adepten. Zum Genießen oder Reiben - je nachdem.
Grit Dora