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Der Rausch

Drama, Dänemark/Schweden/Niederlande 2020, 117 min

Vier frustrierte Männer mittleren Alters, beruflich alle an einer Schule tätig, starten ein Experiment, frei nach der Theorie, dass der Mensch mit einer halben Promille zu wenig ausgestattet ist. Sie helfen (anfangs kontrolliert) nach. Die Wirkung ist eindrücklich. Martin, dem ambitionslos gewordenen Gymnasiallehrer, gelingt es, seine Klasse wieder zu begeistern, seine Ehe nimmt wieder Fahrt auf. Auch seine drei Kollegen sind plötzlich deutlich eloquenter und spritziger unterwegs. Die Rückkopplung durch die alkoholbedingt ausgelöste beruflich-soziale Furore ist groß und führt zur Steigerung der Dosis. Außerdem schmeckts ja auch bestens.
Zwangsläufig zeigt sich alsbald die Janusköpfigkeit des Mittels: Der Teufel hat den Schnaps gemacht. Alkoholbedingte Zwischen- und Ausfälle paaren sich mit Euphorie. Nur einem Regisseur wie Thomas Winterberg konnte es wohl gelingen, aus einem an sich simplen Plot einen Film zu machen, der Licht und Schattenseiten des Alkohols thematisiert, ohne in ein klares Pro oder Contra zu münden. Letztlich geht es Winterberg nicht um den Umgang mit dem gebräuchlichsten Genuss- respektive Suchtmittel. Sein Thema ist die Lust am Leben, an Neugier und Inspiration, die Freude am Risiko, am Unkontrollierbaren. Entstanden ist eine neues Meisterwerk: Albern, traurig, ausgelassen - und provokant.
Ganz klar ist der Film für den großen Mads Mikkelsen gebaut, der wie kein zweiter chamäleonhaft zwischen wechselnden Gemütslagen changiert - immer kraftvoll und verletzlich zugleich. Den Oscar für den besten internationalen Film hat sich Vinterberg inzwischen in L.A. abgeholt.
Grit Dora