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Monte Verità

Drama, Schweiz/Österreich/Deutschland 2021, 116 min

Aus der Beklemmung ihres Korsetts, ihrer Ehe und der Stadt Wien flüchtet Hanna 1906 auf den Rat ihres Psychiaters Otto Gross (Max Hubacher) für eine Auszeit nach Ascona, in die Künstlerkolonie des Monte Verità, des Wahrheitsberges. Sie beobachtet, anfangs schockiert, alternative Lebensmodelle, lernt solidarische Frauen kennen, trifft Persönlichkeiten wie Hermann Hesse. Ihr Mann betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge, er, selbst Fotograf, untersagt seiner Frau, die Beschäftigung mit diesem Medium und droht ihr mit Entmündigung. Auf dem Berg aber schwimmt sie sich frei, avanciert zur Chronistin mit der Kamera und vergewissert sich ihrer Mittel - stets geplagt von Schuldgefühlen gegenüber ihrer Familie, ihren Kindern.
Stefan Jägers leichthändig inszenierte Geschichte einer Aussteigerin bebildert mit Liebe zum Detail die aus heutiger Perspektive pittoresk anmutende Nonkomformistenidylle im Schweizer Tessin. Maresi Riegner als Hanna gelingt es trotz des historischen Gewandes, das nervenzerfetzende Aufreiben einer jungen Frau zwischen Selbstverwirklichung, Familienansprüchen und Schuldgefühlen als nach wie vor brandaktuelles Problem zu transportieren.
Grit Dora