Jakob der Lügner

Drama, DDR/CSSR 1975, 100 min

1974 drehte Frank Beyer seinen ergreifendsten Film. Für die Hauptrolle hatte sich Heinz Rühmann beworben. Beyer engagierte aber Vlastimil Brodsk?, jenen im letzten Jahr verstorbenen tschechischen Schauspieler, der schon 1955 bereit war, in Beyers Erstling »Die Irren sind unter uns« die Hauptrolle zu übernehmen.
Die Geschichte selber hat sich Jurek Becker ausgedacht, oder zumindest fast. „Jurek“ sagte der Vater einst zu seinem Sohn, „es wird Zeit, dass du endlich etwas Ernstes und Wahrhaftiges schreibst.“ Und dann erzählte der Vater die wahre Geschichte von dem Mann im Ghetto, der ein Radio hatte und die Leute mit Nachrichten versorgte bis man ihn verriet und er auf dem Marktplatz hingerichtet wurde. Aber dem Sohn Jurek Becker schien die Geschichte wie hundertmal gehört. Er vergaß sie wieder, bis ihm Jahre später der besondere Einfall kam. Nun wurde aus dem Mann einer, von dem die Leute nur glaubten, dass er ein Radio hätte. Er erfand die Nachrichten von der nahenden Befreiung, weil er wusste, wie wichtig die Hoffnung für die Menschen war. Lügen als humanistische Tat, die große Verantwortung aufbürdet. Und als Jakob sie nicht mehr allein tragen kann und seinem Freund, dem Barbier, die Wahrheit sagt, da hängt dieser sich auf, weil er eher sterben kann als ohne Hoffnung leben. „Unter Umständen ist Hoffnung wichtiger als ein Stück Brot“ sagt Frank Beyer.
Eigentlich möchte ich mir den Film nie mehr ansehen, weil ich weiß, wie die Bilder mich bedrücken. Und wenn »Jakob der Lügner« wieder gespielt wird, gehe ich doch wieder hin. Um zu erleben, wie still es wird im Raum, und wie die Stile anhält, nachdem der Vorhang sich wieder über der Leinwand geschlossen hat.
Karsten Fritz

Buch: Jurek Becker, Frank Beyer

Regie: Frank Beyer

Darsteller: Vlastimil Brodsky, Erwin Geschonneck, Henry Hübchen, Manuela Simon, Armin Mueller-Stahl

Kamera: Günter Marczinkowsky

Musik: Joachim Werzlau

Produktion: DEFA, Filmové Studio Barrandov

Bundesstart: 28.10.1999

Start in Dresden: 28.10.1999

FSK: ab 12 Jahren