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Rimini

Drama, Österreich/Frankreich/Deutschland 2022, 116 min

Es ist kalt in Ulrich Seidls neuem Film. Nicht nur, weil im italienischen Badeort Rimini gerade nicht Sommer, Sonne und Liegestuhl vorherrschen. Stattdessen kriecht der Nebel über den Sand, der Regen peitscht gegen die Strandhäuschen und an besonders kalten Tagen kommt auch noch Schnee hinzu. Dabei geht es in Richie Bravos Liedern um Amore, die ganz große Liebe. Und bei seinen gesäuselten Liebesschwüren schmelzen die Herzen der aufgehübschten und mit Bussen herangekarrten Boomerinnen dahin. Denen raunt der abgehalfterte Schlagerstar nicht nur vor der Bühne ins Ohr, sondern für ein gewisses Entgelt beglückt er die Damenwelt auch im Bett. Irgendwie will die Villa mit den schicken Pappaufstellern und Fototapeten ja finanziert werden. Aber auch dafür kennt Richie eine Lösung: Er vermietet die Behausung einfach an seinen treuesten Fan. Und sie könnte auch anderweitig eine gute Geldquelle sein. Doch zuvor taucht Richies Tochter Tessa auf und fordert den Unterhalt der vergangenen Jahre ein - Vorwürfe inklusive.

Die Werke des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl sind bekannt dafür, dass sie wehtun. Da ist »Rimini« keine Ausnahme. Das beginnt bei Richie, der immer liebe Worte für die Damenwelt findet, seinen inneren Kummer aber in Alkohol ertränkt, und endet nicht bei ebenjenen Damen, die mit den Tränen kämpfen, wenn Richie die Bettstatt verlässt. Es liegt ein melancholischer Schmerz über dieser Szenerie, die das Zuschauen schwer macht. Und doch möchte man sich nicht abwenden.

Seidl und Ehefrau Veronika Franz haben Hauptdarsteller Michael Thomas den Richie auf den Leib geschrieben. Zusammen mit dem schon jetzt für viel Wirbel sorgenden »Sparta«, der sich mit Richies Bruder befassen soll, bildet »Rimini« ein filmisches Diptychon.
mana