Darlings
Schmale zwanzig Drehbuchseiten verwirbeln nach nur einer dreiviertel Stunde zu einem nie auch nur ansatzweise vorhersehbaren Unwetter. Aus dem nicht alle Beteiligten unbeschadet zurückkehren werden. Lena (Thea Rasche), eine junge Lehrerin, begleitet ihren Freund Ole (Paul Boche) in dessen Heimatdorf. Ole und sein jüngerer Bruder Lasse (Tom Böttcher) sollen das Elternhaus beräumen für den Makler, der bereits einen Termin zum Verkauf hat. Also rauschen die drei jungen Leute raus aus Berlin, aufs Land, umarmen die Stille, ganz die Großstädter, nicht ahnend, dass diese Stille auch eine Leere ist. Und gleichzeitig das Auge eines Orkans. Obwohl,… Ole und Lasse checken sofort wieder ein. Wenn sie auf ihre alte Clique treffen, rasten bei Beiden alte Verhaltensmuster zurück auf Anschlag. Lasse schlüpft wieder in die Opferrolle des Jüngsten. Ole spürt wieder die Last der arroganten Dorfkameradschaft… Will er ernsthaft seinen Halbtagsjob in Berlin eintauschen gegen die toxischen Rituale seiner Jugend mit ungewisser Perspektive, dafür mit Unmengen Shots und Beats? Unbeholfen tastet er Lenas Blick ab, versucht sie plump auf die Seite seiner Clique zu ziehen, verhandelt ihre Loyalität, setzt sie unter Druck, misshandelt ihre Intelligenz. „Du bist Keine, die steuert!“ wirft er ihr verächtlich an den Kopf, bereit, sie notfalls mit dem bisschen verpfändbarer Geselligkeit zu erpressen, das ihm zur Verfügung steht. Schneeregen, zugefrorener Ententeich, leeres Geschwätz und leeres Schweigen. Über allem wabert Aggro- Gebaren, kistenweise Bier und Schnaps; die Schlingen liegen aus, und die Regisseurinnen Lea de Boor und Steffen Maurer ziehen sie unerbittlich zusammen. „Wer nicht trinkt, ist ein Lasse!“ Achtung Spoiler; am Ende noch halbwegs nüchtern zu sein, könnte so etwas wie Leben retten. Wenn toxisches Männergefuchtel, ritualisiertes Besäufnis und jede Menge Konformitätsdruck zu einer explosiven Mischung eindampfen. Bei welcher dem Zuschauer alleweil der Atem stockt, weil an dem Sechs-bis-Sieben-Leute-Tischtuch von einer öden Landpartie unentwegt alle Beteiligten, Beleidigten oder Betrogenen ziehen und zerren. Auf dass sich die Nägel in die Kinopolster krallen.
alpa kino
Buch: Lea de Boor, Steffen Maurer
Regie: Steffen Maurer, Lea de Boor
Darsteller: Thea Rasche, Paul Boche, Tom Böttcher, Ina-Lene Dinse, Felix Maria Zeppenfeld, Malte Thomsen, Matthias Gärtner
Kamera: Manuel Ruge
Musik: Robert Zimmermann
Produktion: FilmArche Berlin, Ultimaratiofilm
Bundesstart: 15.01.2026
Start in Dresden: 15.01.2026
FSK: ab 12 Jahren